Veranstaltungshinweis

Hallo ihr Lieben!

Vom 26. Mai bis zum 05. Mai 2019 wird es ein kostenloses Online-Symposium geben zum Thema „Wissenschaft und Spiritualität – die Welten verbinden.“

Es wird von der Zeitschrift Tattva Viveka organisiert, die ihr 25-jähriges Jubiläum feiert.

Die Veranstalter schreiben dazu:

[Wir] haben viele Wissenschaftler, Philosophen und spirituelle Praktiker versammelt, die zusammen das neue integrale Weltbild erforschen und weiterentwickeln. Die beiden Welten der rationalen Wissenschaft einerseits und der intuitiven Spiritualität andererseits bilden keinen Gegensatz mehr, sondern kommen zusammen und erheben unser Bewusstsein zum Wohle aller Lebewesen auf eine höhere Ebene.

Auch der Mitautor von „Gott 9.0 – Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird“ Tilmann Haberer wird einen Vortrag halten. Es sind aber auch andere zahlreiche spannende Referenten dabei wie Dr. Rupert Sheldrake (morphogenetische Felder), Prof. Dr. Gerald Hüther (Hirnforscher), Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Peter Dürr (Quantenphysiker), Mystikerinnen und Mystiker verschiedenster Traditionen und die unterschiedlichsten spirituellen Lehrerinnen und Lehrer.

Zu der Veranstaltung könnt ihr euch über folgenden Link anmelden:

https://wissenschaft-und-spiritualität.de

Ich hab es schon gemacht und bin mir sicher, dass es sich lohnt. Es gibt auch eine dazugehörige Facebook-Gruppe, in der ihr euch mit anderen zu den Themen austauschen könnt.

Die kommende zweite Aufklärung

und die Entdeckung des inneren Universums

Der integrale Philosoph Steven McIntosh vergleicht das kommende integrale Zeitalter mit dem Zeitalter der Aufklärung. Dafür hat er gute Gründe.

Die Aufklärung ist eine geistige Strömung im 17./18. Jahrhundert, mit der das moderne Bewusstsein wirkmächtig in Erscheinung trat. Ihre Quintessenz lässt sich wunderbar mit diesem Zitat ausdrücken:

Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Immanuel Kant

Die Ratio, die Vernunft, sollte den Menschen aus seiner Unmündigkeit befreien. Mit der Aufklärung verbinden sich zahlreiche Befreiungsbewegungen wie die Abschaffung der Sklaverei, der Monarchie, die Gleichstellung der Frau, die Deklarierung der Menschenrechte. Studien wie Spiral Dynamics, aber auch die World Values Study zeigen, dass sich weltweit immer mehr Menschen diesem Bewusstsein annähern.

Diese neue Epoche entspricht einer neuen kognitiven Fähigkeit. Der Entwicklungspsychologe Robert Kegan beschreibt das (zusammengefasst) so:

Das eigene Denken (Subjekt) wird zum Gegenstand (Objekt) der Reflexion.

Frans_Hals_-_Portret_van_René_Descartes
René Descartes: Nach Frans Hals – André Hatala [e.a.] (1997) De eeuw van Rembrandt, Bruxelles: Crédit communal de Belgique, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2774313
Der Philosoph René Descartes gilt allgemein als der Begründer des modernen Rationalismus. Jeder kennt sein berühmtestes Zitat:

Ich denke, also bin ich.

Er unterschied zwischen dem innere Ich und der äußeren Welt, dem subjektiven Geist und der (scheinbar) objektiven Materie. Dadurch legte er, zusammen mit vielen anderen Vordenkern, den Grundstein für die moderne Wissenschaften, aber auch für ein dualistisches Denken.

Die Welt wurde dabei als etwas Vorgegebenes gedacht, das so abgebildet werden könne, wie es sei. Ken Wilber nennt das auch den „Mythos vom Gegebenen.“ Doch schon Kant – der damit bereits als Vordenker der Postmoderne gelten kann – wies darauf hin, dass es diese scheinbar objektive Realität nicht gibt, weil alles von einem Beobachter unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert wird. Die Wirklichkeit ist damit immer, zumindest teilweise, ein Konstrukt. Und diese Konstruktion wird maßgeblich durch unsere Sprache und Kultur beeinflusst.

Steve McIntosh zufolge ist es genau diese Welt, die Welt der Kultur, der Sprache, der Werte und Weltsichten, die durch die integrale Philosophie völlig neu entdeckt wird.

Die integrale Philosophie mache heute etwas ähnliches wie Descartes damals, denn sie füge der subjektiven und objektiven Dimension eine dritte, die intersubjektive, hinzu.

Er nennt diese Dimension auch das „innere Universum“.

Während des äußere Universum beobachtet werden kann, ist das innere immer nur durch Interpretation zugänglich.

Diese Welt dehnt sich nach innen mindestens genauso weit aus wie das äußere Universum: Denn sie umfasst alle geteilten Bedeutungen zwischenmenschlicher Kommunikation wie „Hund“, „Liebe“, Theorien und Ideen, Notenwerte und Symbole etc., aber auch Gottesvorstellungen und Glaubensinhalte. Und sie wird jeden Tag, durch jedes Gespräch, jede Entdeckung, jede Begegnung, erweitert und vertieft.

Dieser Raum ist weder völlig subjektiv, noch völlig objektiv – er ist das Zwischenmenschliche, Geteilte.

Ich argumentiere dafür, dass ein neues, historisch bedeutendes, Level des Bewusstseins und der Kultur in unserer Zeit aufscheint, und dass dieses Aufscheinen einer neuen integralen Weltsicht in vielerlei Hinsicht das evolutionäre Äquivalent zu dem Aufscheinen der modernen Weltsicht während der als Aufklärung bekannten Epoche des 17. und 18. Jahrhunderts ist. Und ebenso wie das Aufkommen der Moderne die Welt für immer verändert hat, können wir ähnlichen […] Fortschritt von dem Aufkommen des integralen Bewusstseins erwarten.

Steve McIntosh, Integrales Bewusstsein und die Zukunft der Evolution, in eigener Übersetzung

Die Entdeckung und Wertschätzung dieses Raumes kann auch eine große Rolle spielen, wenn wir unseren Glauben reflektieren: Wo kommen all die Glaubenssätze, Vorstellungen, Zweifel und Gewissheiten her – aus uns selbst oder aus diesem geteilten Raum?

Alles in diesem Bereich ist ständigem Wandel unterworfen. Alles ist Co-Creation, gemeinsame Schöpfung, ununterbrochener Austausch von Subjekten, Begegnung von Gott und Mensch.

 

Bild von © Nevit Dilmen, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36752405

Was JEDER über Sterben und Tod wissen sollte

Vor einiger Zeit erreichte mich die Nachricht, dass ich vom Verlag Random House das Buch von Oliver Müller „Altern. Sterben. Tod. Die Vergänglichkeit des Menschen aus der Sicht der Naturwissenschaften“ als Testleserexemplar gewonnen hatte. Zuerst freute mich das, doch nach dem Lesen war ich nicht nur enttäuscht, ich war wütend. „Tröstlich“, wie das Buch auf dem Umschlag verspricht, ist es jedenfalls nicht.

Formulierungen wie „DIE Wissenschaft oder DIE Naturwissenschaften“ verbindet er so geschickt mit seiner materialistischen Weltanschauung, dass einem unbedarften Leser wieder einmal ganz unbemerkt die Gleichung „Naturwissenschaftliches Weltbild = materialistisches Weltbild“ untergeschoben wird. Beispiel:

„Aus Sicht der Wissenschaft ist die Seele an ein funktionierendes Gehirn gebunden […]. Ein solcher Glaube (der an eine unsterbliche Seele) [steht] aus heutiger Sicht außerhalb jeder logischen Argumentation und Wissenschaftlichkeit.“ (285/298)

Den Wert eines Menschenlebens leitet er von der Sterblichkeit her (nicht etwa wegen seinem Bewusstsein oder ähnlichem): Da das Leben begrenzt sei, „sei es unschätzbar wertvoll.“ (329)

Das INNEN des Menschen – die Frage, wie Menschen das Altern, Sterben und den Tod subjektiv erleben, wird in objektiver ES-Sprache abgehandelt, Nahtoderfahrungen als phantasievolle Träume und der Seelenglaube als verführerisch schöne Hoffnung gedeutet. Die einen glauben, die anderen wissen es besser. Na, danke. Zu trösten vermag das nicht. Es ist außerdem ein Schlag ins Gesicht all der Menschen, die authentisch von derartigen Erfahrungen zu berichten wissen.

„Niemand kann aus eigener Erfahrung sagen, wie und ob es nach dem Sterben weitergeht… Gestorben sind immer nur die anderen Menschen. Und diese Anderen können uns nicht von ihren Erlebnissen beim Sterben und im Tod berichten…“ (S. 137)

Die Frage scheint mir hier eher: Wie müsste ein „lebendiger Toter“ beschaffen sein, dass er von einem lebendigen Oliver Müller ernst genommen wird?

Wenn es um das Thema Sterben und Tod geht, scheinen viele dazu zu neigen, entweder den ganzen linken oder den ganzen rechten Quadranten auszublenden. Tatsache ist, dass es sehr viel Forschungsmaterial für beide Seiten gibt und ein realistisches Bild, von dem, was uns erwartet, wohl nur durch die Kenntnisnahme beider Hälften – Inneres und Äußeres – zustande kommen kann.

Hier eine Übersicht über den Quadranten und zehn von mir ausgewählte Ergebnisse dieser Forschungen:

Quadrant Sterben und Tod

  1. Ursache für den Tod ist immer, dass lebensnotwendige Organfunktionen ausfallen. In Deutschland sterben die meisten Menschen (über 90 %) an Alterskrankheiten wie Demenz, Arteriosklerose und Krebs. Das Risiko, eine dieser Krankheit zu bekommen, steigt, je älter wir werden. Der Alterungsprozess selbst lässt sich als eine immer größer werdende Unordnung auf Molekülebene beschreiben, die nach und nach zu Funktionsminderung und Fehleranfälligkeit führt.
  2. Ungefähr 90 % der Menschen in Deutschland sterben im Pflegeheim oder im Krankenhaus. Die allermeisten Sterbevorgänge könnten jedoch mit Begleitung von geschulten Hausärzten problemlos Zuhause stattfinden.
  3. Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt, ab dem ein Mensch „ganz“ tot ist. Es gibt nur verschiedene Sterbephasen und Definitionen von Tod, wie „Scheintod“, „klinischer Tod“, „Hirntod“ und „biologischer Tod.“ Das reicht von der Bewusstlosigkeit über den Herzstillstand, das Ende aller messbaren Aktivitäten im Gehirn und das Aussetzen des Atems bis zum Ende aller zellulären und biochemischen Aktionen und dem Einsetzen der Verwesung. „Dank“ moderner Medizin können selbst hirntote Frauen noch Babys auf die Welt bringen…
  4. Rein theoretisch wäre die Palliativmedizin in der Lage, dafür zu sorgen, dass kein Mensch mehr während dem Sterben körperlich leiden muss. Praktisch ist das derzeit noch Utopie. Häufig vergrößert medizinisches Eingreifen nur das Leid, z.B. unnötige künstliche Zufuhr von Ernährung und Flüssigkeit. Aufschlussreich dazu: Gian Domenico, Über das Sterben.
  5. Viele Menschen bereuen kurz vor ihrem Tod bestimmte Dinge nicht getan bzw. versäumt zu haben. Welche das sind, erfährst du in: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die ihr Leben verändern werden, von Bronnie Ware.
  6. Es gibt zahlreiche professionell arbeitende Medien für Jenseitskontakte (und gab sie schon seit es Menschen gibt.) Ein derzeit prominenter Vertreter ist Pascal Voggenhuber. Er sieht seine Arbeit als Dienst am Nächsten und hilft Angehörigen bei ihrer Trauer sowie bei der Aufklärung von ungeklärten Todesfällen, indem er mit Verstorbenen Kontakt aufnimmt. Medien werden auch durch die Parapsychologie erforscht.
  7. Seit den 70/80er Jahren werden Nahtoderfahrungen wissenschaftlich erforscht, Pioniere waren Elisabeth Kübler-Ross und Raymond Moody. Ergebnisse veröffentlicht z.B. die internationale Fachzeitschrift „Journal of Near-Death Studies“. Dabei gibt es übergreifende Erfahrungen, von den immer wieder berichtet wird: Außerkörperlichkeit, Tunnel, Lebensrückblick etc. und gleichzeitig individuelle, weltanschaulich oder kulturgeprägte Elemente. Bei Betroffenen führt das Erlebte langfristig zu tiefgreifenden Persönlichkeitsveränderungen: Sie sind ein Wendepunkt im Leben.
  8. Neben Nahtoderfahrungen werden auch sog. Nachtodkontakte erforscht. Während nur ca. 4-5 % Nahtoderfahrungen gemacht haben, berichten fast 40 % von derlei Begegnungen mit Verstorbenen. Vor allem Witwer und Witwen haben regelmäßig das Gefühl, vom verstorbenen Ehepartner besucht zu werden. Meistens überbringen die Verstorbenen die Botschaft, dass es ihnen gut gehe. Es gibt auch Nachtodkontakte, die von mehreren Menschen gleichzeitig erlebt werden. Mehr Infos findet ihr hier: http://nachtodkontakte.net
  9. Zahlreiche Sterbeforscher (u.a. Kübler-Ross, Bernard Jakoby, Peter Fenwick) geben an, dass niemand allein sterben muss – weil die Sterbenden an ihren letzten Tagen von Geistführern (Engeln) und/oder bekannten Verstorbenen besucht und abgeholt werden, sog. Sterbebettvisionen. Diese Besucher werden häufig auch vom Pflegepersonal wahrgenommen. Und umgekehrt: Kann jemand nicht beim Sterbenden sein, kann dieser demjenigen zum Zeitpunkt seines Todes erscheinen und sich verabschieden.
  10. Das wichtigste beim Sterben scheint die Fähigkeit, loslassen zu können.

Vielleicht habt ihr noch anderes Material, das ihr ebenfalls für wichtig haltet? Dann schreibt mir das doch bitte in die Kommentare! 🙂

Abschließend noch ein Filmtipp von mir:

 

Die WeSpace Gruppe

Gebetstreffen speziell für integrale Christen

Paul Smith schlägt für das von ihm gegründete Netzwerk integraler Christen eine bestimmte gemeinsame Praxis vor: Die WeSpace Gruppe. Sie eignet sich für 5-7 Personen und wurde von ihm selbst entwickelt und praktiziert. Derzeit läuft über seine Plattform eine weltweite Vernetzung derartiger Gruppen.

Ich stelle euch heute hier den Ablauf vor.

Die Treffen gliedern sich in drei verschiedene Phasen: Check-In, Co-Meditation und Sharing.

In der ersten Phase, dem Check-In, geht es um 30 Min. Zeit für den persönlichen Austausch der Teilnehmer untereinander.

In der zweiten Phase, der Co-Meditation, geht es um gemeinsames Sitzen in der Stille.

Diese Phase gliedert sich wiederum in drei Unterphasen:

A: Jeder meditiert auf seine eigene Weise, Anfänger wie Fortgeschrittene.

B: Das Gewahrsein der Teilnehmer richtet sich auf das Energiefeld der Gemeinschaft.

C: Das Gewahrsein der Teilnehmer richtet sich reihum jeweils für einige Minuten auf eine der anwesenden Personen.

In der dritten Phase, dem Sharing, kann jeder seine in der Stille gemachten Erfahrungen mit den anderen teilen.

Das, was Paul Smith beschreibt, ist im Grunde eine Art intensiver Energiearbeit. Mit den einzelnen Teilen versucht er uralte Praktiken wieder neu ins Bewusstsein und ins Leben zu rufen.

Für Teil A schlägt er verschiedene Möglichkeiten vor: Eine eher Gehirn- oder eher Herz- oder auch Darmzentrierte Meditation – entsprechend der drei (nachgewiesener) Orte verschiedener Intelligenzen in unserem Körper. Erstere arbeitet mit dem Geist, z.B. durch die Selbst-Erforschung: Wer bin ich? oder das Mantrabeten, die Herzmeditation arbeitet mit gezielter Herzatmung und die Darmmeditation ist verbunden mit der Baumatmung und einer Konzentration auf den Boden und die Füße.

Diese drei verschiedenen Formen (Gehirn, Herz, Darm) ordnet er den drei Gesichtern Gottes zu:

  1. Mit dem Gehirn denken wir über Gott nach.
  2. Mit dem Herz treten wir zu Gott in Beziehung.
  3. Mit dem Darm ruhen wir in Gott selbst.

Bei Teil C handelt es sich um die Energieübertragung von Person zu Person, durch Anblicken, Berühren oder das Hören. (Englisch: Transmission) Durch diese kann der Schüler von seinem Lehrer in einen höheren Bewusstseinszustand versetzt werden. Jesus übertrug den Heiligen Geist – seinen höheren Bewusstseinszustand – auf seine Jünger, indem er ihnen seinen Atem zu bläst:

Und er hauchte sie an und sagte: „Empfangt den Heiligen Geist!“

Johannesevangelium 20,22, Neue Genfer Übersetzung

Uns ist vielleicht noch am ehesten die Praxis der Handauflegung (v.a. im Zusammenhang mit der apostolischen Sukzession) ein Begriff:

[Hananias] legte Saulus die Hände auf und sagte: „Saul, mein Bruder! Der Herr selbst – Jesus, der dir auf deiner Reise hierher erschienen ist – hat mich geschickt. Er möchte, dass du wieder sehen kannst und mit dem Heiligen Geist erfüllt wirst.

Apostelgeschichte 9,17, Neue Genfer Übersetzung

Und als Paulus ihnen dann die Hände auflegte, kam der Heilige Geist auf sie herab

Apostelgeschichte 19,6, Neue Genfer Übersetzung

Paul Smith erklärt dieses Phänomen durch das elektromagnetische Feld, das von unserem Herzen ausgeht. Wenn wir also gezielt Energie übertragen wollen, gelte es zunächst, durch unsere Konzentration auf die Herzgegend selbst in einen harmonischen Zustand der Liebe, des Mitgefühls und der Dankbarkeit zu kommen und darauf diesen Zustand gezielt anderen zu „senden.“

Neben der Energieübertragung ist in Phase C auch Gelegenheit dazu, unsere Gabe des prophetischen Redens zu trainieren. Gibt uns Gott ein Wort, ein Gefühl, eine Intuition bezüglich einer Person ein? Dann ist im anschließenden Sharing Gelegenheit dazu, darüber zu sprechen.

In Phase C richtet sich unser Gewahrsein außerdem nicht nur auf physisch anwesende Personen, sondern auch auf geistige Wesen und anwesende Geist-Führer, Heilige oder Engel.

Weitere Details wird Paul Smith uns in den nächsten Monaten verraten 🙂

Abschließend zwei Fragen an euch in die Runde:

  • Hätte jemand von euch Interesse ein solches Gebetstreffen bei sich ins Leben zu rufen?
  • Und: Wie können wir integrale Christen uns besser vernetzen, um derartige oder ähnliche Treffen überhaupt erst möglich zu machen? In letzter Zeit geht in mir öfter die Frage herum, wie es in Zeiten der neuen Datenschutzverordnung gelingen kann, dass wir einander finden. Ich würde sehr gerne meinen Teil dazu beitragen. Habt ihr Ideen? Christian Schmill und ich laden euch alle herzlich in die Facebook Gruppe „Forum Integrales Christentum Berlin“ ein, doch wir wissen, bei weitem nicht jeder ist auf Facebook aktiv.

 

Quelle: www.integralchristiannetwork.org

Titelbild: Free photo 95624553 © Publicdomainphotos – Dreamstime.com

Warum wir krank werden

„Dieser Wahn, daß wir all das, was uns geschieht, selbst initiiert haben, ist so destruktiv, so aggressiv…“

Wieder habe ich „Ken Wilber“ in einem Bibliothekskatalog unter der Kategorie „New Age“ gefunden. So etwas ärgert mich. „New Age“ ist eine Sammelbezeichnung aus den 70er Jahren für verschiedene esoterische oder alternative Strömungen. Und Ken Wilber ist ganz sicher kein Vertreter dieser Strömungen, sondern einer ihrer schärfsten Kritiker.

Ich möchte das heute an einem Beispiel verdeutlichen: Der Entstehung von Krankheiten.

Eine Tendenz innerhalb des New Age war und auch moderner alternativer Spiritualität ist es, als Ursache für Krankheit in erster Linie, wenn nicht gar ausschließlich psychische Faktoren geltend zu machen. Häufig paart sich das mit der Überzeugung, das überhaupt generell alles, was wir erleben, schlussendlich auch wir selbst – unser Ego-Bewusstsein – geschaffen haben. Und das ist schlicht einseitig. Das lässt sich anhand Ken Wilber Quadrantenmodell leicht erkennen: Alles wird auf den Quadranten oben links reduziert: „Quadrantenabsolutismus“ pur.

In der Facebookgruppe des Integralen Forums hat neulich jemand allen Ernstes behauptet, dass es Unsinn sei, Kinder zu impfen, da alle Krankheiten psychisch bedingt seien. (!!)

Aus der Erkenntnis „Psychische Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krankheiten“ wird ein „Krankheiten sind immer selbstgemacht“.

Wenn aber eine Krankheit auftaucht, dann ist es immer eine Botschaft der Seele. Eine andere Ursache für eine Krankheit gibt es nicht.

http://www.spirituelle.info/artikel.php?id=39

Mit jeder Erkrankung will Ihr Unterbewusstsein Ihnen etwas sagen… Goldene Regel: Suchen Sie nach der Botschaft, die in Ihrer Krankheit stecken kann.

https://www.simplify.de/gesundheit/weitere-gesundheitstipps/artikel/die-geheimsprache-der-krankheit/

Das hört sich zunächst verlockend an. Denn es ist so schön einfach: „Finde heraus, was deine Seele dir sagen will, und schon wirst du wieder gesund.“

Der Bestseller Autor Rüdiger Dahlke ordnet in seinen Büchern „Krankheit als Symbol“, „Krankheit als Sprache der Seele“ und „Krankheit als Weg“ jeder Krankheit passende Seelenthemen zu.

Das kann in der Tat sehr hilfreich sein. Langjährige psychosomatische Forschung hat außerdem ergeben, dass der Einfluss des Geistes auf unseren Körper ungeahnt groß ist (Placebo-Effekt, Psychoneuroimmunologie und die Rolle von emotionalem Dauerstress etc.)

Nur ist es eben gefährlich einseitig. Und es kann schnell „kippen.“ Was, wenn dein Ehepartner plötzlich an Krebs erkrankt und nicht wieder gesund wird? Wirst du ihm dann insgeheim vor, es läge nur daran, dass er sich seinem „Seelenthema“ nicht stellt?

Im Grunde sagte ich nicht: „Ich nehme Anteil an deiner Not, wie kann ich helfen?“, sondern „Was hast du falsch gemacht? Wo hast du versagt?“ Und nicht zuletzt: „Wie kann ich mich selber schützen?“ Angst, also uneingestandene Angst, war das, was mich trieb…

Treya Wilber, Mut und Gnade

Kurz nach seiner Hochzeit mit Terry Killam erfährt Ken Wilber, dass sie Brustkrebs hat. Das sehr persönliche Buch „Grace and Grit: Spirituality and Healing in the Life of Treya Killam Wilber (Mut und Gnade)“ berichtet von ihrer gemeinsamen Zeit und der Erkrankung, die sie schließlich das Leben kostet. Die Ereignisse werden dabei jeweils abwechselnd aus Kens Sicht und der seiner Frau geschildert.

Sie schreibt:

„Die ganze Logik mit der Selbstverursachung meiner Krankheit(en) steht wieder auf der Tagesordnung. Wer Gegenstand solcher Theorien ist oder selbst über sich theoretisiert, sieht die Frage der Verantwortung häufig unter dem Gesichtspunkt der Schuld: „Was habe ich falsch getan, daß ich so was verdiene?“ (…) Ich habe diese „Logik“ manchmal auf mich selbst angewendet. Auch Freunde sind darin sehr eifrig. Ich habe es bei meiner Mutter gemacht vor achtzehn Jahren, als sie Krebs bekam, und ich kann mir vorstellen, daß sie sich ein bißchen vergewaltigt fühlte – und wie recht sie hatte… Deshalb sage ich immer wieder, daß Krankheiten meiner Überzeugung nach viele Ursachen haben – erbliche Belastung, Ernährung, Lebensweise, Persönlichkeit; wer aber sagt, daß einer dieser Faktoren der einzig wichtige sei, daß die Persönlichkeit allein die Erkrankung herbeiführe, der übersieht, daß wir zwar unsere Reaktion auf das, was uns geschieht, steuern können, nicht immer jedoch das Geschehen selbst. Dieser Wahn, daß wir all das, was uns geschieht, selbst initiiert haben, ist so destruktiv, so aggressiv.“

Im Zuge der Erkrankung setzen sich Ken und Treya intensiv mit den verschiedenen Erklärungsmodellen für Krankheiten auseinander.

Die Fundamentalisten sähen Krankheit als Strafe Gottes für irgendeine Sünde. Die New Age Leute sehen die Krankheit als eine Lektion des Geistes, durch die wir etwas lernen sollen. Psychologen sehen die Krankheit als eine Folge verdrängter Emotionen. Diese Erklärungsmodelle lassen sich dem linken Quadranten zuordnen.

Schulmediziner sehen v.a. biologische Ursachen (Viren, genetische Veranlagung, Umweltfaktoren, Ernährungsweise). Andere sehen die Krankheit als Folge von schlechtem Karma, also einem fehlerhaften Handeln aus einem früheren Leben. Diese Erklärungsmodelle lassen sich dem rechten Quadranten zuordnen.

Eine ganzheitliche Sicht sieht die Krankheit als ein Produkt all dieser Faktoren: Emotionen, Seelenthemen, körperliche Veranlagung, Lebensweise, zwischenmenschliches Umfeld, gesellschaftlicher Umgang mit der Krankheit, Zugang zu medizinischer Versorgung etc.

Quadrant Krankheitsentstehung

Jesus hatte all diese Faktoren im Blick:

  • Er fragte die Kranken „Willst du gesund werden?“ Er wusste also, dass die Psyche des Kranken einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Krankheit haben kann. (Quadrant links oben)
  • Er wandte sich den Kranken zu, weil er um die Bedeutung zwischenmenschlicher Faktoren wusste – z.B. galten Leprakranke als „unrein“ oder Kranke allgemein als „Sünder“. (Quadrant links unten)
  • Er übte Systemkritik, indem er z.B. ganz umsonst heilte, ohne Geld zu verlangen oder dem Sabbat keine Beachtung schenkte, wenn es um die Gesundheit eines Menschen ging.(Quadrant rechts unten)
  • Und viele Menschen waren Zeuge davon, dass er andere Menschen wirklich gesund machte, wenn auch bis heute rätselhaft bleibt, auf welche Weise. Vermutlich werden wir durch die Fortschritte in der medizinischen Forschung irgendwann besser in der Lage sein, dies zu erklären. (Quadrant rechts oben)

Ihr kennt sicherlich alle die Stelle im Johannesevangelium (Kap. 9), wo Jesus einen Menschen trifft, der seit seiner Geburt blind ist. Seine Jünger wollen wissen, wer Schuld hat, er oder seine Eltern. Dahinter steht der Glaube, dass jede Krankheit selbst verursacht wird, in diesem Fall offenbar gekoppelt mit einer Vorstellung von Wiedergeburt und Karma. Und Jesus antwortet ihnen:

Es ist weder seine Schuld noch die seiner Eltern. An ihm soll das Handeln Gottes sichtbar werden.

Er wurde also, so Jesus, blind geboren, damit er ihn heilen kann. Jesus versteht dessen Krankheit hier eindeutig nicht als Folge eines „Seelenthemas“ oder „Schuld“ des Blinden, sondern weist ihr eine ganz andere Funktion zu. Jesus sagt nicht, es ist purer, blinder Zufall, dass es dich getroffen hat. Sondern: Der Sinn deiner Krankheit wird sich in deinem Leben noch zeigen.

Es geht ihm nicht um die Ursache, sondern die Folge.

Eine Folge davon, dass Ken Wilbers Frau krank wurde, war, dass sie sich in der Begleitung krebskranker Menschen engagierte und als Künstlerin ihre Bestimmung fand. Eine andere Folge war, dass die Liebe zwischen Ken und Treya noch tiefer wurde, weil sie diese Krise zu meistern hatte. Und eine weitere Folge davon war das Buch „Mut und Gnade“, das Ken Wilber nach ihrem Tod herausbrachte und das seither unzählig viele Menschen zum Weinen gebracht, inspiriert und getröstet hat.

Als ich Mut und Gnade schrieb, nahm ich an, dass vielleicht ein Jahr lang eine Flut von Briefen käme, die dann nachlassen würde. Aber die Briefe kommen nach wie vor, jeden Monat Dutzende, deren Inhalt mir sehr nahe geht.

Ken Wilber, Einfach „Das“, S. 62

Genauso wenig wie wir über alle Ursachen einer Krankheit Bescheid wissen, wissen wir über alle kurzfristigen oder längerfristigen Folgen einer Krankheit Bescheid. Manchmal geht es offenbar nicht darum, eine Krankheit so schnell wie möglich wieder „weg zu machen“, sondern darum, zu lernen, mit dieser Krankheit zu leben: Eine Herausforderung für den Betroffenen, die Angehörigen, die Gesellschaft, in allen Bereichen, auf allen Ebenen. Und manchmal ist eine Krankheit auch eine Erfahrung, die uns reifen lässt und verständnisvoller macht. Das jedoch hängt tatsächlich allein von uns ab.

„Wer an einer schweren Krankheit leidet, wird sich dadurch vielleicht tiefgreifend ändern, aber daraus folgt nicht, daß er krank wurde, weil ihm das durch die Veränderung Entstandene früher gefehlt hat.“

Ken Wilber, Mut und Gnade

 

 

MODUL GEIST: Kampf den negativen Gedanken!

… oder vielleicht doch eher: Her damit!?

Hallo! Am Freitagabend musste ich ins Krankenhaus. Ich war dabei, meinen Sohn ins Bett zu bringen, und wollte den Vorhang zuziehen. Das klemmte ein bisschen und schon brach unsere Gardinenstange ab und sauste auf meinen Mund, der wie wild zu bluten begann. Ich habe es wesentlich weniger ruhig angenommen, als ich mir erhofft hatte – brach in Panik aus und rief um Hilfe. Mein Mann rief also den Notarzt an, weil er bei der Menge Blut ebenfalls nicht sicher war, was genau bei mir kaputt war. Erst als ich wusste: Es ist nur die Oberlippe gerissen, wurde ich wieder ruhig. Der Chirurg nähte sie dann mit zwei Stichen wieder zu. Da mein Nervensystem extrem schmerzempfindlich ist, war ich froh, dass es mir gelang, dabei einfach zu meditieren.

Ihr habt sicherlich auch schon zigfach den Rat gehört: „Denk was schönes!“ Denn es sind meist gar nicht die Schmerzen an sich, sondern unsere Gedanken und Deutungen, die den Schmerz begleiten, die etwas wirklich furchtbar werden lassen. In Panik ist der Schmerz riesengroß – alle Wahrnehmung ist ausschließlich darauf fokussiert, das gerade etwas ganz schreckliches passiert und auf den Wunsch: „Ich will das nicht! Holt mich hier raus!“

Ohne abwertende, ängstliche Gedanken wird Schmerz erträglich(er).

Unsere Gedanken zu beobachten, wie wir es während einer Meditation tun, hat deshalb auch im Alltagsleben extrem viele Vorteile.

Ihr wisst aus eigener Erfahrung, dass der Gedanke „Alle Menschen sind in ihrem Kern wunderschön“ und der Gedanke „Alle Muslime sind gewalttätig“ sich nicht nur krass von ihrem Inhalt her unterscheiden, sondern auch gänzlich gegensätzliche Gefühle in uns auslösen: Euphorie und Liebe oder Hass und Angst.

Früher hatte ich häufig depressive Phasen und keine Ahnung, wie ich da wieder herauskommen könnte. Heute frage ich mich, was hast du gedacht, kurz bevor du so traurig oder hoffnungslos geworden bist? Und ich mir fällt eigentlich immer ein, dass irgendein querer, verallgemeinernder Gedanke der Auslöser war, wie „mein Leben ist doof“, „alles ist ungerecht“, „mich mag niemand“, „ich bin komisch“.

Wir wissen heute, dass unsere Gedanken Folgen haben: Unser Körper schüttet in Reaktion auf diese verschiedene Hormone aus: Entweder Glückshormone oder Stresshormone. Und letztere können auf Dauer Krankheiten (mit)verursachen.

Vor einigen Jahren überkam mich in einem Konzert die Idee: Was würde mit mir passieren, wenn ich nur noch heilsame Gedanken denken würde? Danke, dass… Ich bin gespannt, was… Mal schauen, was… Schöne Gedanken sammeln wie „Ich liebe das Leben“, „Alle Menschen sind meine Geschwister!“

Was für eine Vision: Mit positiven Gedanken den negativen den Kampf ansagen!

Schließlich sind die negativen ja an allem schuld:

Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dies Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen unrein.

Jesus (Mk 7,21, Neue Genfer Übersetzung)

Doch ab jetzt nur noch „positiv denken“? Klappt vermutlich weder auf Anhieb noch auf Dauer. Dann stapeln wir nur positive Affirmationen obendrauf, wissen aber nicht, was sich darunter befindet – denn die meisten unserer Gedanken – unsere tiefliegenden Programme und Überzeugungen – sind uns gar nicht bewusst. Die negativen Gedanken bleiben erhalten. Alles, was wir damit machen, ist: Wir drängen sie fort, packen sie weg, noch tiefer ins Unbewusste, und geben ihnen dadurch noch mehr Macht.

Also Vorsicht! Durch ein „Mist! Schon wieder negativ gedacht!“ vermehren wir nur unsere Gedanken und verkrampfen uns, statt loszulassen und zu entspannen.

Es wäre also verkehrt, während dem Meditieren krampfhaft darauf acht zu geben, dass wir bloß nichts schlimmes denken. Wir nehmen einfach wahr, was aufsteigt: Auch die „bösen“, unangenehmen Gedanken.

Das eigene Denken zu beobachten, heißt, es nicht zu bewachen und auch nicht zu bewerten. So verstehe ich heute den Rat, dem Bösen nicht zu widerstehen: (Matthäus 5,39) Alles Böse, gegen das wir uns wehren, wird stärker und böser. Beim Gebet geht um Hingabe, ums Annehmen und Loslassen negativer wie auch positiver Gefühle.

Die Nebenwirkung: Die positiven Gedanken und Gefühle werden dabei ganz automatisch mehr. Warum?

Durch reines Beobachten distanzieren wir uns von unseren Gedanken – wir nehmen sie als Objekte außerhalb von uns wahr statt völlig mit ihnen verschmolzen zu sein (Metakognition). Dadurch verlieren diese nach und nach die Macht, uns unglücklich zu machen.

Dazu äußert sich wunderbar Eckhardt Tolle mit „Küss den Frosch“:

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

MODUL GEIST: Vier Tage und vier Nächte allein in die Natur

Interview mit der Autorin und Wildnispädagogin Anne-Maria Apelt

Anne-Maria Apelt ist Wildnispädagogin, Fotografin und Visionssucheleiterin. Privat lebt sie in Essen an der Ruhr und ist verheiratet. Vor kurzem ist ihr erstes Buch erschienen.

Liebe Anne-Maria,

Wenn ich das richtig verstanden habe, so hast du dich selbstständig gemacht und auf Naturrituale und Portraitfotografie spezialisiert. Du nennst das, was du anbietest, „Lebensentdeckungsreisen“. Wie kamst du selbst zu diesem Thema?

Eine meiner Hauptfragen meines Lebens war immer, wofür ich auf der Welt bin und mein tiefster Wunsch ist bis heute, gemeinsam mit Menschen Antworten auf diese Frage zu bekommen. Was der Sinn und die Bestimmung meines Lebens sein könnte und ist, welche Gaben, Charakter und Wesenszüge mich prägen. Viele Tests, Methoden, Therapien, Seelsorge und Beratungen haben mich weiter gebracht. Am meisten haben mich die geprägt, in denen ich mich über den Verstandeshorizont in die Erfahrungsebenen begeben habe. Allen voran die Erfahrung der Visionssuche.

Anlass war eine Lebenskrise. Es ging nicht mehr vorwärts noch rückwärts. Ich hatte alles verloren. Job, Orientierung, Glauben. Beziehung, Netzwerke. Alle Pläne waren nicht aufgegangen und ich war weit davon entfernt eine Antwort auf die Frage zu finden, wofür ich auf der Welt bin. Die Erfahrung dann an einer Visionssuche teilzunehmen, mich 14 Tage lang meinen Fragen zu widmen, vier Tage und vier Nächte davon allein in der Natur zu sein, zurückgeworfen nur auf mich, ohne Hilfsmittel.

Die Natur und ich. Gott und ich. Oder das was ich bis zu dem Zeitpunkt davon hielt. Die Natur als Buch vor mir, in dem ich begann zu lesen, meine Angst zu sehen, mich auszuhalten, meine Grenzen zu akzeptieren, meine Möglichkeiten zu wertschätzen. Wie eine Libelle, die als Larve einen Kokon spinnt, sich verpuppt, und sich alles in der Puppe auflöst was sie bisher war – bis auf die Imagozellen die das neue Herz bilden – und sich dann neu zusammensetzt zu einer neuen Gestalt: der Libelle. Vier Tage und vier Nächte Kokon spinnen. Ich kann nur sagen, das war das Beste was ich gemacht habe.

Die Auswirkungen habe ich erst im Verlauf des Jahres danach so richtig zu fassen bekommen. Und dann kam der Ruf von Menschen, die in mir etwas Neues gesehen haben, dass ich selbst solche Formate in der Natur anbieten solle. Und tatsächlich setzte sich durch meine Ausbildung zur Visionssucheleiterin ein Puzzleteil nach dem anderen zusammen. Viele lose Enden meiner Berufsentscheidungen, Lebensentwürfe, Konzepte fügten sich ganz neu zusammen in genau das, was ich heute mache: Menschen auf ihrer eigenen Entdeckungsreise in ihrem Leben begleiten. Am liebsten in der Natur. Das hat viele Facetten, die Naturritualarbeit ist eine davon. Die Fotografie kam von allein hinzu. Für beide Aufgaben brauch ich einen Blick für Menschen, wie sie sind. Dieser Blick ist mir geschenkt. Ich drück das gern auch im Foto aus. Lieber ist es mir allerdings, wenn Menschen sich im Spiegel der Natur selbst neu entdecken. Die Natur erlebe ich als unbestechlich, wahr und heilsam. Ich als spirituelle Person würde auch sagen: daher kommen göttliche Antworten auf meine Fragen.

Du bietest unter anderem Visionssuchen an. Als Beschreibung habe ich gefunden: „Vier Tage und Nächte allein in der Wildnis, fastend und ohne schützende und trennende Wände zwischen dir und der Natur.“ Was sind das für Menschen, die du sich auf so eine Herausforderung einlassen? Junge Familienmütter wie ich werden es wohl eher seltener sein…

Oh, das sind Menschen aus allen Lebensbereichen und Altersgruppen. Es sind Menschen an den Bruchstellen ihres Lebens: Trennung, Tod, Heirat, Geburt, Abschied, neuer Beruf, all das können Gründe sein. In jedem Fall geht eine tiefe Frage dem Ritual voraus, so etwas macht man nicht „einfach mal so“. Dazu kommen persönliche Reife und das Eingeständnis, dass die eigenen Systeme und Muster nicht mehr funktionieren. Ein Umbruch oder eine Krise kann jederzeit im Leben vorkommen, ob man 20 ist oder 80 oder gerade Eltern geworden ist.

Meistens kommen Menschen an den typischen Wendepunkten des Lebens rund um die 30 oder 45. Oder es stehen Lebensentscheidungen zum Thema Beruf, Beziehung, Elternschaft an, die geklärt werden wollen. So auch bei mir damals.

Die meisten von uns leben heute sehr abgeschirmt von der Natur, Alleinsein kommt selten vor und mit radikalem Fasten sind wir wenig vertraut. Warum gleich alles auf einmal?

Allein sein, fasten und in der Natur sein sind keine neuen Erfindungen. Es handelt sich dabei um eine alte spirituelle Übung,  die in allen Kulturen und Generationen vor uns gemacht worden sind. Kein Schutz und keinen Rückzug zu haben, auf sich geworfen sein, erleben die meisten Menschen bei einer Visionssuche zum ersten Mal.

Den meisten fällt da draußen weder die Natur, noch das Alleinsein, noch das Fasten wirklich schwer. Man ist einfach mit ganz anderen Dingen beschäftigt, weil man zum ersten Mal Zeit hat mit sich selbst. Um Alltägliches, wie „was werde ich essen, wie werde ich es zubereiten, wo kauf ich ein, wer wäscht ab, hat jemand angerufen, sind die Kinder in der Schule?“ dürfen für die Zeit der Visionssuche von anderen beantwortet werden. Du hast Zeit nur für deine Frage. Ich habe das als sehr erholsam und befreiend erlebt.

Die Vorbereitungszeit vor den vier Tagen und vier Nächten dient dazu, den Körper und die Seele auf das Alleinsein vorzubereiten, Nahrung zu reduzieren, Kontakt zu reduzieren. Wir schauen, was den Menschen dient und staunen was Körper und Psyche mit Leichtigkeit schaffen können. Man macht das Ritual ja nicht zum Selbstzweck, sondern vor allem für sich.

Es gibt das deutschsprachige Netzwerk der Visionssuche-Leiter: Wie beeinflusst dich dieses Netzwerk bei dem, was du machst?

Das Netzwerk ist eine geniale Austauschplattform. Die Mitglieder*innen des Netzwerkes kommen aus allen möglichen spirituellen und beruflichen Richtungen. Die Horizonte und Meinungen sind divers und dadurch inspirierend. Es hilft mir auch, Kunden an andere Netzwerker zu empfehlen, wenn ich selbst nicht weiterhelfen kann.

Es dient außerdem dazu, dass ich supervisorisch meine Arbeit anderen gegenüber mitteilen kann, korrigiert werden kann, inspiriert werden kann, Hilfe bekommen kann von Menschen, die schon länger Erfahrung haben.

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Ich musste bei der Idee, allein in die Wildnis zu gehen, an den Film „Antichrist“ von Lars von Trier denken, wo ein Paar sich in eine abgelegene Hütte im Wald begibt, um die Trauer ihres Sohnes zu verarbeiten und immer mehr in einen Albtraum und eine Gewaltorgie hineingerät. Ich muss zugeben, ich habe ihn nicht zu Ende geschaut… Kommt es bei derartigen Visionssuchen nicht an und wann dazu, dass bei jemandem plötzlich irgendwelche inneren Dämonen geweckt werden und es zur Überforderung mit dem Alleinsein kommt?

Eine Visionssuche ist eine existenzielle Erfahrung, die gewollt ist, so dass auch eine Begegnung mit „der dunklen Nacht der eigenen Seele“ möglich ist. Eine Visionssuche dient der Heilung, der Selbstliebe, dem Mitgefühl, der Innenschau und hat gleichzeitig Grenzen. Wer nicht therapeutisch ausgebildet ist, so wie ich, muss sich seiner eigenen Grenzen sehr bewusst sein. Ich kann beraterisch, wildnispädagogisch und biografisch arbeiten, aber eben nicht therapeutisch. Für mich ist es wichtig, im Vorfeld zu klären, was die Absicht der jeweiligen Personen sind, sich auf dieses Ritual einzulassen. Und manche nehme ich auch nicht mit. Manche Themen übersteigen meine Kompetenzen aber auch den Rahmen des Rituals. Manchmal ist es auch besser, von dem Ritual abzuraten, weil vielleicht wirklich erst mal eine Therapie nötig ist.

Natürlich gibt es auch Menschen, die Ängste haben allein im Wald. Das ist auch Thema in der Vorbereitungszeit vor den vier Tagen und vier Nächten allein. Da heißt es, sorgsam zu sein mit den Menschen, die Gefahrenquellen gut zu kennen und zu wissen, dass bei Gefahr oder Überforderung jeder und jede zurückkommen kann. Es gibt auch ein Sicherheitssystem, auf das jeder und jede zurückgreifen kann.

Die meisten werden, was ihre Angst betrifft, von eigenen Bildern, erzeugt aus Märchen, Mythen, Filmen, Erfahrungen etc. begleitet. Ich beispielsweise hatte in einem Ritual wahnsinnige Angst vor der Dunkelheit. Ich wurde von meiner Ritualleiterin gut darauf vorbereitet, wie ich mit den Ängsten umgehen kann, und welche neuen Muster und Methoden ich einüben kann, um mich dieser Angst zu stellen.

Das war hart, mein „Ego“ musste „sterben“, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich Vertrauen lernen kann und dass das Ritual, durch das so viele Menschen schon gegangen sind, mich trägt. Ich kann mir sicher sein, dass die Natur kein feindlicher Raum ist, sondern ich mich hingeben kann an die Natur, die mich schützt und deren Teil ich bin.

Welche Kurz- und Langzeitwirkungen dieses Rituals konntest du bei dir und anderen beobachten?

Ich muss zugeben, dass ich sehr selten mitbekomme, welche Langzeitwirkungen ein Ritual hat, weil ich die Leute maximal ein Jahr lang begleite. Da können meine um Jahrzehnte erfahreneren Kollegen sicher mehr dazu sagen. Aber durch das Buchprojekt und meine eigenen Erfahrungen ist in mir die Erkenntnis gereift, dass ein Naturritual ein einschneidendes Erlebnis ist. Viele machen zum ersten Mal durch ein Naturritual die Erfahrung, dass sie sich verbunden fühlen mit allem, was lebt. Und das ist eine Erfahrung, die Konsequenzen für jeden Lebensbereich haben kann. Auf spiritueller, ökologischer, beruflicher, beziehungstechnischer Ebene. Es ändert sich oft eine Haltung, etwas im Herzen. Manchmal entfaltet sich das nicht sofort nach dem Ritual und lässt ein bisschen auf sich warten oder zeigt sich mittelfristiger. Aber man kann sich sicher sein: es kommt.

Buch-Cover_GRUENE-WUNDER-ERLEBEN-ApeltIm Februar ist dein Buch „Grüne Wunder erleben“ erschienen. Herzlichen Glückwunsch dazu! Für wen hast du es geschrieben?

Danke! Ich habe das Buch auf Anregung des Verlages geschrieben und mir war klar, dass ich nichts Theoretisches über Naturrituale schreiben möchte. Dazu gibt es bereits erstklassige Literatur.

Ich wollte zeigen, wie Menschen spannende und tiefe Erfahrungen gemacht und Veränderungen erlebt haben. Und wie sie Gott – wie auch immer sie ihn nennen – getroffen haben. Ich habe versucht so nachvollziehbar wie möglich die Gründe und den Prozess zu schildern, auch die Konsequenzen daraus. So, wie es den Menschen möglich war, sich zu öffnen, denn es geht ja um sehr intime Erfahrungen.

Das Buch soll allen Menschen dienen, die selber auf der Suche nach solchen Erfahrungen sind und neue Formen von spirituellen Erfahrungen suchen. Es soll ermutigen und anregen, es ihnen gleich zu tun. Und es soll eine Verbindung schaffen, die Natur als heiligen Raum zu erfahren, der Gottesbegegnung ermöglicht.

Auf deiner Homepage schreibst du, dass deine christliche Werteorientierung ein Leitfaden in deiner Arbeit ist. Nenne drei Dinge, durch die dich Jesus inspiriert.

Jesus inspiriert mich zum Handeln – tun, was getan werden muss: Essen kochen, aufräumen, Leute einladen, Kleider verteilen, Tauschbörsen organisieren, Müll aufsammeln.

Jesus inspiriert mich zur Gemeinschaft und Liebe, zum gemeinsam unterwegs sein, zur Annahme und Fragen stellen.

Und er animiert mich zum Rückzug – er ging immer wieder in die Einsamkeit um sich „einzuordnen“.

Ich danke dir ganz herzlich für unser Gespräch!

Wenn du jetzt neugierig geworden bist, kannst du dich hier über Anne-Marias Apelts Arbeit informieren: www.lebensentdeckungsreisen.de

Ihr Buch bekommst du hier: https://www.adeo-verlag.de/index.php?id=details&sku=835217

Titelfoto: Roland Baege (mit freundlicher Genehmigung)