MODUL GEIST: Kampf den negativen Gedanken!

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Hallo! Am Freitagabend musste ich ins Krankenhaus. Ich war dabei, meinen Sohn ins Bett zu bringen, und wollte den Vorhang zuziehen. Das klemmte ein bisschen und schon brach unsere Gardinenstange ab und sauste auf meinen Mund, der wie wild zu bluten begann. Ich habe es wesentlich weniger ruhig angenommen, als ich mir erhofft hatte – brach in Panik aus und rief um Hilfe. Mein Mann rief also den Notarzt an, weil er bei der Menge Blut ebenfalls nicht sicher war, was genau bei mir kaputt war. Erst als ich wusste: Es ist nur die Oberlippe gerissen, wurde ich wieder ruhig. Der Chirurg nähte sie dann mit zwei Stichen wieder zu. Da mein Nervensystem extrem schmerzempfindlich ist, war ich froh, dass es mir gelang, dabei einfach zu meditieren.

Ihr habt sicherlich auch schon zigfach den Rat gehört: „Denk was schönes!“ Denn es sind meist gar nicht die Schmerzen an sich, sondern unsere Gedanken und Deutungen, die den Schmerz begleiten, die etwas wirklich furchtbar werden lassen. In Panik ist der Schmerz riesengroß – alle Wahrnehmung ist ausschließlich darauf fokussiert, das gerade etwas ganz schreckliches passiert und auf den Wunsch: „Ich will das nicht! Holt mich hier raus!“

Ohne abwertende, ängstliche Gedanken wird Schmerz erträglich(er).

Unsere Gedanken zu beobachten, wie wir es während einer Meditation tun, hat deshalb auch im Alltagsleben extrem viele Vorteile.

Ihr wisst aus eigener Erfahrung, dass der Gedanke „Alle Menschen sind in ihrem Kern wunderschön“ und der Gedanke „Alle Muslime sind gewalttätig“ sich nicht nur krass von ihrem Inhalt her unterscheiden, sondern auch gänzlich gegensätzliche Gefühle in uns auslösen: Euphorie und Liebe oder Hass und Angst.

Früher hatte ich häufig depressive Phasen und keine Ahnung, wie ich da wieder herauskommen könnte. Heute frage ich mich, was hast du gedacht, kurz bevor du so traurig oder hoffnungslos geworden bist? Und ich mir fällt eigentlich immer ein, dass irgendein querer, verallgemeinernder Gedanke der Auslöser war, wie „mein Leben ist doof“, „alles ist ungerecht“, „mich mag niemand“, „ich bin komisch“.

Wir wissen heute, dass unsere Gedanken Folgen haben: Unser Körper schüttet in Reaktion auf diese verschiedene Hormone aus: Entweder Glückshormone oder Stresshormone. Und letztere können auf Dauer Krankheiten (mit)verursachen.

Vor einigen Jahren überkam mich in einem Konzert die Idee: Was würde mit mir passieren, wenn ich nur noch heilsame Gedanken denken würde? Danke, dass… Ich bin gespannt, was… Mal schauen, was… Schöne Gedanken sammeln wie „Ich liebe das Leben“, „Alle Menschen sind meine Geschwister!“

Was für eine Vision: Mit positiven Gedanken den negativen den Kampf ansagen!

Schließlich sind die negativen ja an allem schuld:

Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dies Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen unrein.

Jesus (Mk 7,21, Neue Genfer Übersetzung)

Doch ab jetzt nur noch „positiv denken“? Klappt vermutlich weder auf Anhieb noch auf Dauer. Dann stapeln wir nur positive Affirmationen obendrauf, wissen aber nicht, was sich darunter befindet – denn die meisten unserer Gedanken – unsere tiefliegenden Programme und Überzeugungen – sind uns gar nicht bewusst. Die negativen Gedanken bleiben erhalten. Alles, was wir damit machen, ist: Wir drängen sie fort, packen sie weg, noch tiefer ins Unbewusste, und geben ihnen dadurch noch mehr Macht.

Also Vorsicht! Durch ein „Mist! Schon wieder negativ gedacht!“ vermehren wir nur unsere Gedanken und verkrampfen uns, statt loszulassen und zu entspannen.

Es wäre also verkehrt, während dem Meditieren krampfhaft darauf acht zu geben, dass wir bloß nichts schlimmes denken. Wir nehmen einfach wahr, was aufsteigt: Auch die „bösen“, unangenehmen Gedanken.

Das eigene Denken zu beobachten, heißt, es nicht zu bewachen und auch nicht zu bewerten. So verstehe ich heute den Rat, dem Bösen nicht zu widerstehen: (Matthäus 5,39) Alles Böse, gegen das wir uns wehren, wird stärker und böser. Beim Gebet geht um Hingabe, ums Annehmen und Loslassen negativer wie auch positiver Gefühle.

Die Nebenwirkung: Die positiven Gedanken und Gefühle werden dabei ganz automatisch mehr. Warum?

Durch reines Beobachten distanzieren wir uns von unseren Gedanken – wir nehmen sie als Objekte außerhalb von uns wahr statt völlig mit ihnen verschmolzen zu sein (Metakognition). Dadurch verlieren diese nach und nach die Macht, uns unglücklich zu machen.

Dazu äußert sich wunderbar Eckhardt Tolle mit „Küss den Frosch“:

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

2 Kommentare

  1. Liebe sandra

    Ein wunderbarer beitrag.

    Seit 3 jahren gehe ich mit gedanken und gefühlen anders um ,als früher. Ich beobachte sie und spüre genau—„ich bin nicht meine gedanken“.ich als beobachter bin frei davon .nach einiger zeit ziehen gedanken und gefühle weiter.jetzt hat sich die identifikation mit gedanken,gefühlen und auch meinem körper sehr gelöst und ich bin gesünder und viel authentischer geworden. Durch das wegfallen dieser identifikation kommen jetzt reine gedanken und gefühle ,die ich auch ziehen lasse. Ich habe es inzwischer selber erfahren,dass auch die angenehmen gedanken und gefühle vergänglich sind. So bin ich immer mehr im fluß des lebens und erfahre(nicht glaube!! ) selber ein getragensein von tief innen heraus.

    Herzliche grüße marion

    Gefällt 1 Person

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