Wo und wie finde ich den kosmischen Christus in meiner Bibel?

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Letzte Woche haben wir uns mit der Frage befasst, was ist der kosmische und universale Christus überhaupt.

Heute schauen wir uns die biblischen Quellen zu dieser Idee an. Tatsächlich begegnen wir dem kosmischen Christus am häufigsten in der Briefliteratur, und da vor allem bei Paulus.

„Wir wissen allerdings, dass die gesamte Schöpfung jetzt noch unter ihrem Zustand seufzt, als würde sie in Geburtswehen liegen“

Römer 8,22

„Es gibt nur einen Herrn – Jesus Christus, durch den alles geschaffen wurde“

1. Korinther 8

„Unter ihm, Christus, dem Oberhaupt des ganzen Universums, soll alles vereint werden – das, was im Himmel, und das, was auf der Erde ist“

Epheser 1,10

„Ja, Gott hat ihm alles unter die Füße gelegt, und er hat ihn, den Herrscher über das ganze Universum, zum Haupt der Gemeinde gemacht“

Epheser 1, 20

„Und weil Jesus diesen Namen trägt, werden sich einmal alle vor ihm auf die Knie werfen, alle, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind.“

Philipperhymnus 2, 10.

„Der Sohn ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene, der über der gesamten Schöpfung steht. Denn durch ihn wurde alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, Könige und Herrscher, Mächte und Gewalten. Das ganze Universum wurde durch ihn geschaffen und hat in ihm sein Ziel. Er war vor allem anderen da, und alles besteht durch ihn.“

Kolosser 1,15ff.

Alle Texte entstammen der Neuen Genfer Übersetzung

In der klassischen Theologie spricht man bei diesen Stellen von der „Schöpfungsmittlerschaft“, „Präexistenz“, aber auch „Allversöhnung“. [Diese werden dann jedoch häufig nicht mit dem „kosmischen Christus“ verknüpft, sondern mit dem historischen und auferstandenen Jesus.]

Matthew Fox gibt in seinem Buch „Vision vom kosmischen Christus“ einige Hinweise, wie wir den kosmischen Christus auch noch an anderen Stellen der Bibel finden können (S. 162). Überall, wo folgende Stichworte auftauchen, sei von Kosmologie die Rede, was heißt, nicht der Mensch und seine Erlösung steht im Mittelpunkt, sondern es geht um die Verklärung und Vergöttlichung der ganzen Schöpfung, des ganzen Planeten und aller Galaxien, des Alls, des großen Ganze allen Seins:

  • Engel. Vor der Entstehung der modernen Kosmologie sah man die Engel als die bestimmenden Mächte im Universum.
  • das Wort „Kyrios (Herr)“ als ein Ehrentitel für den Herrscher des Universums, der im Neuen Testament und der frühen Kirche auf Christus übertragen wird
  • Wolken als Form der Erscheinung Gottes („Siehe, er kommt mit den Wolken“, Offenbarung 1)
  • das Wort „doxa (Herrlichkeit)“ (an der die ganze Schöpfung teilhaben soll, siehe dazu den Kontext der obigen Stellen bei Paulus, aber auch die Verklärung Jesu)
  • Wildnis und Berge (als besondere Orte der Gottesbegegnung)
  • der Kampf mit dem Bösen als einer kosmischen Macht

In einer dritten und letzten Folge zum Thema werde ich noch auf die außenbiblischen Quellen und auch auf Kritik an der Vorstellung des Kosmischen Christus eingehen.

Foto: Our day in the light of prophecy and providence, William Ambrose Spicer, 1866, Commons Wikimedia

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