„Das glückliche Nichts“ von Sven Kosnick

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Kurz vor Weihnachten noch eine Buchempfehlung von mir 🙂

Das Buch ist von Sven Kosnick, Religionslehrer und Zen-Lehrer und heißt: „Das glückliche Nichts“ – ein wunderbarer Titel, weil er einen geradewegs in eine Meditationserfahrung mit hinein nimmt. Das Buch hat ein Lesebändchen!!!:-) und liegt dank Hardcoveraustattung wunderbar in der Hand.

Mich hat das Buch aber vor allem deshalb interessiert, weil ich vom Autor wusste, dass er in der integralen Theorie gut bewandert ist. Tatsächlich nimmt er in seinem Buch mehrmals und teilweise ausführlich auf diese Bezug, v.a. auf Spiral Dynamics, dass er (ähnlich wie Gott 9.0) dazu verwendet, religiöse Entwicklung im Christentum zu beschreiben.

Aber es ist nicht nur ein theoretisches Buch, sondern auch ein sehr persönliches. So lautet auch eine Überschrift: „Mein eigener Weg.“ Er erzählt darin von seinem Weg zum und mit dem Zen und schließlich von seinem ganz eigenen Sterben und Auferstehen auf diesem Weg. Dabei gelingt es ihm, den Leser tief in seine religiösen Erfahrungen und Aha-Erlebnisse mit hinein zu nehmen.

Wie ich, hat der Autor Evangelische Theologie in Tübingen studiert und erst im Anschluss daran begonnen, intensiv zu meditieren. Das habe ihm ein völlig neues Verständnis der Wirklichkeit und damit auch der biblischen Texte aufgeschlossen.

Christus spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Dieser Vers begründet den christlich-blauen Absolutheitsanspruch. Allerdings kann er auch auf türkis (alles ist eins) interpretiert werden. Jesus sagte diesen Satz nicht aus seinem individuellen Ich-Bewusstsein. Er sagte ihn, als er im großen ICH BIN aufgegangen war.

Er beginnt mit einem Vergleich: Beim Glauben sei es wie mit einem 3-D-Bild. Wer nicht weiß, was er machen muss, um die verborgene Seite eines solchen Bildes sehen zu können, ist darauf angewiesen, dass andere ihm davon erzählen – bis er selbst durch Übung zu der Fähigkeit und Erfahrung gelangt. Spiritualität als Lernmethode, der Lehrer als Trainer – diese Gedanken entspringen der Verwurzelung des Autors in der Zen-Tradition, die viel Wert auf Übung und Disziplin legt.

Aus dieser Motivwelt heraus erwächst auch ein weiterer Vergleich: Religion als Sportart. Wer Sportler sein will, muss sich erst für eine Sportart entscheiden – ein spannendes und eingängiges Argument gegen die heute weit verbreitete „Patchwork“- oder, wie er es nennt, „Transreligion“, bei der Mann/Frau sich auf nichts festlegen will. Werde ich mir merken.

Hilfreich fand ich auch die Ausführungen über das „Ich“ im Zen und in der Psychologie.

„Ich lernte, dass das Loslassen des Ego und die Entwicklung eines gesunden Ich paradoxerweise keine Gegensätze sein müssen.“

Das Buch endet mit einer Sammlung biblischer Koans – sog. Koans sind Rätsel oder Fragen des Zen-Lehrers an seinen Schüler, die dazu einladen, über sie zu meditieren, über den logischen Verstand hinauszuwachsen und spirituelle Erleuchtung zu erleben. Hier sind für meinen Geschmack Fragen und Erläuterungen zu wenig getrennt, aber es motiviert auf jeden Fall dazu, an rätselhaften biblische Aussagen keinen Anstoß zu nehmen, sondern diese als willkommene Gelegenheit zu verstehen, den Drang, alles auf einer intellektuellen Ebene lösen und beantworten zu können, aufzugeben und mich stattdessen durch solche Worte auf eine andere, die transrationale, Ebene tragen zu lassen.

Mehr über den Auto erfahrt ihr hier: PORTRAIT: Sven Kosnick

Buch:

Sven Kosnick, Das glückliche Nichts. Christuserfahrungen auf dem Zen-Weg. Mit einer Sammlung biblischer Koans, Tradition GmbH, 2019.

Ich wünsche euch allen gesegnete Weihnachten!

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