Nahtoderfahrungen als mystisches Erlebnis

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Für viele Menschen sind Nahtoderfahrungen ihr erstes spirituelles bzw. mystisches Erlebnis, dass sie von einem Moment auf den anderen aus einem rein materialistischen Weltbild herauskatapultiert: Denn eine der einprägsamsten Erfahrungen dabei ist, dass sie feststellen, dass ihr Körper und sie selbst getrennt voneinander sein können: Hier sind sie und da liegt ihr lebloser Körper. Davor dachten sie häufig, so etwas sei unmöglich und waren vollständig mit ihrem Körper identifiziert.

Damit diese Desidentifikation („ich bin nicht mein Körper“) auftritt, macht es, scheint mir, keinen Unterschied, ob es sich bei diesen „lediglich“ um einen besonderen Bewusstseinszustand handelt, wie kritische Stimmen meinen, oder ein „echtes Erlebnis“, denn ähnlich wie die bereits beschriebene Gipfelerlebnisse führen sie in der Regel zu einer grundsätzlichen Änderung im Selbstverständnis der Person, was sich auf ihr gesamtes Leben nachhaltig positiv auswirkt.

Die verschiedenen Stationen von Nahtoderfahrungen

Die systematische Erforschung solcher Erlebnisse nahm mit dem Buch von Raymond Moody, Leben nach dem Tod, und den Arbeiten der Sterbeforscherin E. Kübler-Ross in den 1970er Jahren ihren Anfang. Es wurde dabei festgestellt, dass Menschen im Sterben bestimmte „Stationen“ durchleben – nicht alle jede, aber doch meist einige davon:

  1. Bewusstseinsveränderungen: Betroffene werden von einer unaussprechlichen Erfahrung überwältigt, verbunden mit dem Gefühl von Ruhe und Frieden. Körperliche Schmerzen werden nicht mehr verspürt, Behinderungen nicht mehr vorhanden.
  2. Todeserkenntnis: Betroffene erkennen, dass dieses Erlebnis mit dem Sterben zusammenhängt oder dass sie tot sind.
  3. „Ausleibigkeit“: Mann/Frau hat den Eindruck, seinen Körper zu verlassen, hat eine „außenkörperliche Erfahrung“. In diesem Zustand werden z.B. die Bemühungen der Ärzte um eine Wiederbelebung oder eine Operation aus einer Perspektive von oben  oder der Seite miterlebt.
  4. Tunnelerlebnis: Mann/Frau hat das Gefühl, sich in einem dunklen Raum oder Tunnel zu befinden, in dem ein Licht sichtbar wird, zu dem sie/er machtvoll hingezogen wird.
  5. Außerweltliche Umgebung: Es tut sich eine überirdische Welt mit herrlichen Farben, schönen Blumen und oft durchklungen von wundervoller Musik auf.
  6. Begegnung mit Verstorbenen: Man begegnet verstorbenen Verwandten oder Freunden und kommuniziert telepathisch mit ihnen.
  7. Strahlendes Licht: Der Betroffene begegnet einem strahlenden Licht, das bedingungslose Akzeptanz und Liebe vermittelt und hat Zugang zu tieferem Wissen.
  8. Lebensrückschau: Das gesamte Erdenleben wird in seinen wichtigsten Momenten oder seiner Essenz nochmals durchlebt und bewertet.
  9. Grenzwahrnehmung: Eine Grenze wird wahrgenommen. Frau/Mann erkennt, dass nach dem Überschreiten dieser Grenze eine Umkehr oder Rückkehr in den Körper unmöglich wäre.
  10. Rückkehr: Der Betroffene kehrt bewusst in den Körper zurück – oft mit der Enttäuschung, die herrliche Jenseitswelt wieder verlassen zu müssen, aber dem Wissen, dass noch eine Aufgabe auf ihn/sie wartet.

Berichte von Nahtoderfahrungen

Mittlerweile gibt es eine Unzahl an Berichten. Ein paar davon möchte ich hier empfehlen:

Eben Alexander, Ein Blick in die Ewigkeit.

Hier beschreibt ein amerikanischer Neurochirurg von seinem Erlebnis. Es hat ihn davon überzeugt, dass das menschliche Bewusstsein unabhängig vom Gehirn ist und seine gesamte Weltsicht verändert.

Pin van Lommel, Endloses Bewusstsein.

Hier legt ein niederländischer Kardiologe ebenfalls seine aus zahlreichen Studien hervorgegangene These vor, dass das Bewusstsein unabhängig vom Gehirn ist (non-lokal oder endlos). Teilweise etwas spekulativ (Mediziner wagt sich in die Gebiete von Quantenphysik und Religion vor), enthält aber gute Zusammenfassungen.

Jeff Olsen

Im folgenden Video teilt ein Amerikaner sein Nahtoderlebnis. Ich habe selten eine so berührende, gleichzeitig tragische wie tröstliche Geschichte gehört und ich muss hier zugeben, dass mir Sensibelchen beim Zuhören die Tränen geflossen sind 😉

Beim Autofahren war Jeff Olsen für einen Moment eingenickt. Dabei kam sein Auto von der Straße ab und überschlug sich mehrfach. Seine Frau und sein jüngster Sohn kamen dabei ums Leben, ein weiterer Sohn und er überlebten. Monatelang lag er aufgrund schwerster Verletzungen im Krankenhaus und wurde unzählige Male operiert.

In seinen Nahtoderfahrungen trifft er seine Frau und seinen Sohn. Er erlebt tiefe Einheitserfahrungen mit allen Menschen und mit Gott, den er als bedingungslose Liebe erfährt.

Lange Zeit sprach er nicht darüber. Heute ist er Bestsellerautor und vermittelt im Fernsehen und Radio die damals gewonnen spirituellen Einsichten und spendet Hoffnung.

(Der You-Tube Kanal ist übrigens auch an sich toll)

Seine Seite: https://www.envoypublishing.com

Kanal „Empirische Jenseitsforschung“

Franz Dschulnigg hat sich zum Ziel gesetzt, besondere Erfahrungen wie Nahtoderlebnisse, Nachtodkontakte oder ähnliches zu dokumentieren und damit Beweise für die Existenz „von einem Jenseits, von Geistwesen und einem Leben nach dem Tode“ zu sammeln. Er ist ein wunderbarer Interviewer, weil er nur sehr wenige, wichtige Fragen stellt, sich ansonsten sehr zurückhält und die Interviewten allein durch seine Präsenz dazu bringt, sich zu öffnen.

Hier ein Video mit Jörg Fuhrmann, einem zeitgenössischen transpersonalen Psychologen:

Übrigens ist die theologische Fakultät in Kiel, an der ich derzeit promoviere, die erste, die sich ausführlich mit dem Thema befasst:

3 Kommentare

  1. So weit ich weiß, ignorieren die Kirchen dieses Thema, weil es sich mit einigen Glaubenssätzen nicht verträgt. Weiß jemand, ob es aktuelle neuere Stellungnahmen dazu gibt?

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    1. Hinzufügen möchte ich noch folgende Information: Die Gesellschaft für eine Glaubensreform hat sich auf ihrer letzten Jahrestagung mit dem Thema beschäftigt, ein Vortrag von Dr. herbert Koch ist auf der Webseite des Vereins abrufbar: https://glaubensreform.de/ Die Gesellschaft ist jedenfalls eine Organisationform, die Reformen und integrales Denken auf eine breitere Basis stellen kann als einzelne Blogs.

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  2. Ja, aber es gab nicht nur positive Stimmen. Moody zum Beispiel interviewte auch Selbstmörder, die sozusagen nicht erfolgreich gewesen sind. In diesen Fällen war es ganz furchtbar, und den Menschen wurde klar, dass die Ursache ihres Leidens nicht im Körper war, den sie beenden wollten, sondern dass ihre Schwierigkeiten fortgedauert haben, und dass sie nun nicht mehr die Möglichkeit hatten, aktiv an einer Lösung zu arbeiten, sondern vielmehr von ihren Problemen überwältigt wurden.

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