Unser Leben – ein Tanz des Universums

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Rezension zum Buch „Kunstvoll ambitionslos. Eine Einladung zum intuitiven und liebevollen Leben in einer grenzenlosen Welt“, epubli, 2020 von Leonhard Gründer

Nicht nur durch das Bild auf der Vorderseite, die bunten Farben im Innenteil, die leicht zugängliche Sprache, auch der abwechslungsreiche Aufbau und die vielen Impulse für Übungen passen zu der Intention des Autors, die er im Titel mit „ambitionslos“ beschreibt, oder die man „spielerisch“ nennen könnte.

„Im Kern geht es darum, sich einzugestehen, dass es von einem gewissen Standpunkt aus im Leben nichts fundamental zu erreichen gibt.“

S. 11

Seine „simple Hypothese“ lautet, dass „ein kunstvoll gelebtes Leben ohne verbissene Ambition (…) luftiger und leichter und nebenbei erfolgreicher“ sei.

Es geht dem Autor darum, zur Leichtigkeit und einem spielerischen Zugang zu dem Leben einzuladen. Menschen wie mir und vermutlich auch dir?, denen der Kampfmodus seit frühester Kindheit in ihrem Körper steckt, tut das gut. Das Leben – „bloß“ ein Spiel? Ein Spiel! Hapuuuuuuu….. 😉

Dass der Autor Physik studiert hat, und nun als Berater tätig ist, verleiht dem Buch einen besonderen Touch: Da setzt sich ein Naturwissenschaftler unter der Fragestellung „Wer stirbt da, wenn ich sterbe?“ mit dem Tod auseinander und schreibt ein ganzes Kapitel zum Thema „Integrales Christentum“ samt der Beschreibung der Stufen 🙂

Es gelingt ihm, in seinem Buch aufzuzeigen, wie unser scheinbar genaues, rationales Alltagsdenken ausgerechnet durch ein noch genaueres, wissenschaftliches Hinschauen förmlich immer mehr in den transnationalen Bereich gedrängt wird. Wie ist das dem Leben und Tod – wenn es gar keinen exakten Beginn und Ende gibt, wenn die Übergänge sich in unseren aktuellen Modellen der Wirklichkeit als schwammig und die Zeitpunkte als willkürliche Hilfs-Setzungen erweisen? Dann ist Verbundenheit aller mit allem die Antwort.

„Wenn man anfängt, immer genauer nachzumessen, findet man immer mehr Unschärfe, immer mehr Flirren und Flimmern… (es existiert) nach aktuellem Kenntnisstand der Physik keine Theorie (…), in der Menschen fundamental separate Objekte sein könnten.“

23f.

Es gelingt ihm für jeden logisch nachvollziehbar zu erklären, warum es weder Geburt noch Tod, noch unser vermeintliches „Ich“ und die Umwelt als scharfe Trennungen gibt. Stattdessen stehen wir in ununterbrochenen Austausch, alle Übergänge sind von fließender Natur.

Als integraler Denker zieht er jedoch als Argument für die gegenseitige Verbundenheit nicht nur den rechten oberen Quadrant hinzu, sondern auch den Quadranten unten links, den „Wir-Raum“, in dem wir uns unablässig durch die Kommunikation mit anderen definieren, verwandeln und in gegenseitiger Abhängigkeit befinden, und den Quadranten oben links: Die Vorstellungen von einem „separaten Ich“, die sich bei genauem Besehen als eine reine Gewohnheit oder soziale Konstruktion erweist, die auch losgelassen werden kann.

Schließlich widmet er sich ausführlich der Verbundenheit im Quadranten unten rechts, also all den Systemen, in denen wir unterwegs sind, wie Familie oder unser Planet Erde, ein lebendiger Organismus, der auch irgendwann sterben wird oder das Universum, das sich immer mehr auszudehnen und in das Nichts zurückzukehren scheint, aus dem es gekommen ist.

Gerade zu diesem Punkt, den kosmologischen Erkenntnissen zu unserem Platz im Universum, hat der Autor einiges zusammengetragen, dass wir häufig in unserer Alltagsspiritualität ausblenden, weil es zu abstrakt zu sein scheint.

Mithilfe einer Meditation lädt er uns ein, uns mehr unseres kosmischen Kontextes bewusst zu werden. Sie soll helfen, „unseren Platz im Universum nicht nur rational zu begreifen, sondern auch ein kleines bisschen zu fühlen.“ Dazu nimmt er uns auf eine Reise in den Zusammenhang zwischen dem Leben auf unserem Planeten und dem Sternenstaub, den Asteroiden, dem Sonnensystem, der Milchstraße als einer Galaxie unter weiteren Galaxien etc.

Der letzte und entscheidende Teil des Buches widmet sich dem Phänomen der Intuition, ihrer Rolle innerhalb von kreativen Prozessen und Methoden, dieser mehr Raum einzuräumen, sowohl im privaten Leben, wie bspw. in der Kindererziehung, als auch in Unternehmen, die integral und aufwärts arbeiten wollen.

Ein abwechslungsreiches und lesenswertes Buch, das Lust und Mut dazu macht, das Leben mehr und mehr als ein großes Spiel zu begreifen und zu erfahren.

Der Autor ist Ehemann und Vater, zertifizierter Coach und interdisziplinärer Denker und Macher. Sein Hintergrund ist geprägt von Studium der Physik und MBA, seiner Zeit bei der Managementberatung McKinsey & Co. sowie der Arbeit mit agilen Teams in einem Digitallabor.

Ein Kommentar

  1. Ja, eigenartig, dass sich 500 Jahre nach Formulierung der Rechtfertigungslehre nicht mehr begnadete spielerische Freiheit im Christentum entwickelt hat. Jetzt kommt uns en-light-enment aus der Naturwissenschaft und dem Buddhismus.
    Wenn ich mit den Kindern im Religionsunterricht Brot geteilt habe mit der Vorgabe: Jeder bricht sich ein kleines Stück ab und sagt beim Weiterreichen, wem alles wir dies Brot zu verdanken haben, dann hat es sie so begeistert immer mehr Ursachen und Zusammenhänge zu entdecken, dass selbst ein Brötchen für mehrere Runden reichte. Es ging vom Bäcker, zum Straßenbau, Wetter, dem RU…bis zum Urknall und weiter.
    In höheren Klassen fand ich Arbeitsmaterialien zum Buddhismus hilfreich.
    Unter http://buddhismus-schule.de/pdfs/FuenfSkandhas.pdf
    und http://buddhismus-schule.de/pdfs/ZwlfGlieder.pdf finden sich interessante Überlegungen.
    Das sind nur zwei Einheiten aus einem Unterrichtswerk, das zum Download bereitsteht.
    >Andrea Lieber: Die kleine Welle und das große Meer<
    ist hilfreich bei Fragen zum Tod und zur ängstlichen Identifikation mit der Form, der individuellen Existenz. Jesus geht das Thema ja auch ganz spielerisch an, indem er fragt, wie die Witwe von 7 Ehemännern wohl im Himmel zurechtkommen soll.
    Es lohnt sich, das NT auf diesem Hintergrund – ohne verbissene Ambitionen – noch einmal zu lesen.
    Hab mir das Buch gleich bestellt.

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