Das Ir- und Transrationale

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Von den guten und dunklen Mächten an unserer Seite

Der Einbruch des scheinbar Irrationalen

Heute möchte ich einmal sehr persönlich in das Thema einsteigen: Mit ca. vierzehn stach in einen Gasballon, der sich über viele, viele Jahre unverändert in meinem Kleiderschrank gehalten hatte, als sei er wie neu und den ich deshalb aus einer seltsamen Angst heraus nicht anzurühren traute. Durch diese symbolische Handlung erteilte ich damals allem Aberglauben, Geister – und Wunderglauben den Abschied und verbannte gedanklich wohl das meiste, was mit der magischen Phase meiner Kindheit zu tun hatte.

Gleichzeitig hörte ich jedoch nie auf, empfänglich und fasziniert zu sein für das Magische, las über spukende Geister in englischen Schlössern, liebte Horror- und Fantasyromane und spürte in jedem Gebäude dessen Atmosphäre nach.

2010 besuchte ich ein Seminar meines Stipendiengebers zur Nachbesprechung unseres Studienaufenthaltes im Ausland. Schon als ich mein Zimmer im Erbacher Hof in Mainz, in dem ich die nächsten zwei Nächte übernachten sollte, betrat, fühlte ich mich darin unwohl. Nachts kamen sie dann, die Albträume: Ich sah das Zimmer, wie wenn ich mit offenen Augen daläge, und sah, wie von den Wänden das dunkelrote, dickflüssige Blut herunterfloss, floss, floss, floss. Mir steht dieses Bild noch heute jederzeit so vor Augen, wie wenn das Blut in diesen Minuten immer noch so flösse.

Als ich aufwachte, stand für mich fest, dass ich in diesem Zimmer unmöglich eine weitere Nacht schlafen können würde. Es blieb mir nichts übrig, als mich vor den anderen Seminarteilnehmerinnen zu erklären, und zum Glück hatte eine der Frauen ein Sofa in ihrem Zimmer, auf das ich für die zweite Nacht ausweichen konnte. Natürlich blieb mir nicht das Lächeln des Seminarleiters verborgen, der mich wahrscheinlich für überempfindlich, wenn nicht gar ein bisschen übergeschnappt, hielt.

Ja. Lange Jahre habe ich mich selbst für überempfindlich gehalten und wurde auch dafür erklärt oder einfach nicht ernst genommen. Ich habe mich deshalb auch nie getraut, nachzuforschen. Erst nach und nach lerne ich, diese Sensibilität für Energien und Stimmungen auch als Stärke zu begreifen.

Dabei frage mich, ob sich Irr- und Transrationales so einfach trennen lassen, wie es Ken Wilbes Prä-Trans-Verwechslung zunächst suggeriert.

Die Prä-Trans-Verwechslung

Mit „Prä“ und „Trans“ sind üblicherweise Entwicklungsphasen gemeint: Die eine liegt vor, deshalb „prä“, die andere nach der rationalen Phase, geht also über das rein rationale wieder hinaus, deshalb „Trans“.

Wenn jemand spirituelle Erfahrungen macht und anderen davon erzählt, kann es beispielsweise vorkommen, dass Menschen, die noch keine transrationalen Erfahrungen gemacht habe, es für irrationale Phantasien halten. Oder andersherum: jemand idealisiert die Kinder derart, dass diese die Dinge „noch so sähen, wie sie sind“, bevor „die Gesellschaft ihre Sicht verfälsche“.

Der Blogger und Autor Joe Perez sieht in einem persönlichen Erlebnis um seinen 30. Geburtstag herum eine Mischung aus prä- und transrationalen Elementen. Obwohl er mit einem psychotischen Schub im Krankenhaus lag und nicht einmal mehr Herr über seine Darmmuskulatur war, machte er zugleich eine der tiefsten spirituellen Gipfelerfahrungen seines Lebens. Lange wagte er nicht darüber zu sprechen, bis er sich schließlich seinem Therapeuten Harry gegenüber öffnet. In diesem Zusammenhang kommt bei ihm die Frage auf:

Was ist, wenn ich meine vergangenen Erfahrungen mit transnationalen Bewusstseinszuständen mit prärationalen Wahnvorstellungen verwechselt habe? Was ist, wenn meine Erfahrungen im Krankenhaus keine bloßen Halluzinationen waren, sondern tatsächliche Begegnungen mit einer Art spirituellem Reich?

Joe Perez, Soulfully gay, 185.

Schließlich neigt er dazu, anzunehmen, dass es sich wohl um eine Mischung aus prä- und transrationalen Elementen gehandelt haben muss.

Neulich hörte ich von einem modernen Schamanen, man solle keine Spiegel im Schlafzimmer haben, da sie als Einfallstor für die Anderswelt dienen könnten. Das gefiel mir nicht: Da schwang so viel Angst mit.

Ich erinnerte mich daran, wie ich als Kind nicht ohne Waffe auf die Toilette gehen konnte, weil ich so Angst vor Gespenstern oder, wie ich es heute formulieren würde, dem Spüren dunkler Energien hatte. Derzeit beobachte ich meinen Sohn in dieser Phase, in der er sich aus Angst nirgendwo alleine hintraut: Die Waschmaschine, die Bilder an der Wand, die Geräusche, alles wirkt bedrohlich.

Ich bin mir keineswegs sicher, ob das Unsinn oder Irrational ist oder ob Kinder nicht eher noch empfänglicher für diese „Anderswelt“ sind. Der Psychotherapeut Wulf Mirko Weinreich schreibt dazu in seinem Artikel „Gott entwickelt sich“:

[…] die Vertreter dieser Stufen [haben] auch im Wachzustand noch (relativ) ungehinderten Zugang zu subtilen Bereichen der Realität – nicht von ungefähr spricht man z.B. davon, dass die Aborigines in der „Traumzeit“ leben. Das heißt, die Naturvölker bilden sich Ahnen und Naturgeister nicht ein, sondern nehmen unmittelbar subtile Realitäten wahr, die sie auf ihrer Bewußtseinsebene als Ahnen und interpretieren (und die man auf höheren Ebenen vielleicht als Engel und auf noch höheren eventuell als Bewusstseinsfelder bezeichnen würde.

S. 40, http://www.integrale-psychotherapie.de

Die Wahrnehmungsschranke, die wir in späteren Ebenen erwerben, wird also später allmählich wieder abgebaut.

Umgang mit spirituellen Mächten

Für viele, besonders Christen, bleibt das Thema schwierig und angstbesetzt. Inwieweit darf man sich der Wahrnehmung dieser Mächte öffnen? Darf man mit Verstorbenen kommunizieren? Darf man mit Engeln Kontakt aufnehmen?

Ich weiß auch von vielen, die Erfahrungen mit subtilen Realitäten machen, dass diese nicht immer angenehm, sondern manchmal eben auch angsteinflößend ausfallen können. Einige raten daher, sich in diesen subtilen Bereichen ohnehin nicht länger oder ausführlicher aufzuhalten, als nötig. Doch ist das wirklich richtig – dem unangenehmen, dem Anfechtenden, dem dunklen auszuweichen? Eine Stufe einfach zu überspringen, um sich auf der nächsthöheren sicher zu wähnen?

Ich glaube nicht. Denn egal, wie wir sie nennen, ob Engel/Dämonen oder Bewusstseinsfelder: Es gibt da offensichtlich etwas, das wahrnehmbar ist und auf uns einwirkt, bewusst oder aber auch unbewusst, im positiven wie im negativen. Und ich glaube, dass die geistliche Welt uns, wenn wir es brauchen, die richtigen Mittel an die Hand gibt, damit angstfrei und konstruktiv umzugehen. Diese Gewissheit beziehe ich aus einigen Träumen, die ich über die letzten Jahre hatte. Einprägsam blieben für mich dabei zwei Bilder oder Symbole: Wer um geistige, scharfe Waffen gegen die dunkle Mächte bittet, bekommt diese. Und wem das Zeichen Gottes auf der Stirn geschrieben steht – wer seinen Geist dem Göttlichen unterstellt – , vor dem weichen diese Mächte zurück, sie können ihr/ihm nichts anhaben.

Denn unser Kampf richtet sich nicht gegen Wesen von Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis, die über die Erde herrschen, gegen das Heer der Geister in der unsichtbaren Welt, die hinter allem Bösen stehen.

Paulus im Brief an die Ephemer 6,12, NGÜ

Auf der anderen Seite gibt es kaum etwas, was in einer Krisensituation mehr hilft, als die Fähigkeit wahrzunehmen, nicht allein zu sein, Engel, hilfreiche, tröstende Energien an der Seite zu spüren, Rat und Weisung einholen zu können.

Schließlich können sie als das erkannt werden, was sie sind: Lichte und dunkle Aspekte unserer innerer Welt, die sich im Außen manifestieren.

Was meint ihr dazu – was habt ihr für Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht? Oder habt ihr eigene Tipps zum Umgang mit diesen „Energien“ oder „Mächten“?

Wer vertiefend in das Thema Prä/Trans einsteigen möchte, sei dieses Video empfohlen:

Bild von Andy Faeth, Pixabay

3 Kommentare

  1. „Lichte und dunkle Aspekte unserer inneren Welt, die sich im Außen manifestiert“ – ja, so sehe ich das auch. Meiner Erfahrung nach ist Dunkelheit nur die Abwesenheit von Licht. Dunkelheit hat keine eigene Substanz.
    Das, was sich manchmal geradezu dämonisch anfühlt, sind auch nur Trauma-bedingte Abspaltungen. Wenn diese „Dämonen“ noch zusätzlich abgelehnt werden, vertieft sich die Spaltung unnötigerweise – so habe ich das erlebt.
    Engel/Dämonen oder Bewusstseinsfelder – das Erste ist dualistisch gedacht, das Zweite kommt ohne Schwarz-Weiß-Denken aus und entspricht eher dem Einheitsbewusstsein, würde ich sagen…

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  2. Von diesen Dingen halte ich ehrlichgesagt nicht viel, nicht im abfälligen Sinn, ich finde es einfach nicht wichtig. Von dunklen Mächten hatte ich bisher noch keine intuitive Assoziation. Ich bin mir aber zB sicher, dass da in diesem Kontemplationshaus Gries etwas war, wie ein guter Geist. Es kann durchaus erbaulich sein, wenn sich da „jemand“ bemerkbar macht, aber wenn nicht dann eben nicht. Der Mensch ist das Wesen mit dem größten Potenzial von allen. Buddha soll auch Wesen aus der Götter-Welt gelehrt haben. In den alten indischen Geschichten sind die Götter auf die Erde gekommen, um die Heiligen um Rat zu fragen (nur bei den Griechen war’s leider andersrum). So sollte es sein.

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  3. Ist prä und trans nicht eigentlich dasselbe, die andere Seite der Bewusstseinsmedaille? Ob ich nun von Engeln umgeben geborgen bin – wenn ich schlafen gehe, 14 Engel um mich stehen… – oder ob ich das Abstrakte in meinem Sein konkretisiere, indem ich mich als Teil des Allen, und damit geborgen fühle, der Weg führt immer hin zu Gott, was auch jeder in seiner Bewusstseinsfrequenz als Gott wahrnimmt. Integral bedeutet doch, dass wir wissen, dass alle Stufen für uns zugänglich sind.

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