Jesus und der kleine Prinz. Mit dem Herzen sehen und alles ist gut

Gepostet von

Erwachen – mit dem Thomasevangelium

Das Buch „Jesus und der kleine Prinz“ von Werner Koch lässt sich schwierig einordnen: Es ist weder ein richtiger Roman, noch ein richtiger Kommentar zum Thomas-Evangelium, noch eine Lektürehilfe zum kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry, noch eine Bedienungsanweisung zum Erwachen. Eher alles zusammen. Es liest sich spannend wie ein Roman, in dessen Dialoge und Monologe immer wieder Logien des Thomas-Evangeliums oder Bibelzitate eingebaut sind, stellt Bezüge zu „Der kleine Prinz“ her und stellt haufenweise Fragen, die zum Nachdenken anregen.

Hauptperson ist ein Lehrer namens Werner, die Story: dessen spirituelle Entwicklung, immer wieder angestachelt und liebevoll begleitet durch einen Therapeuten mit Namen Dr. Christ. Nebenpersonen sind Eva, die Ehefrau des Protagonisten, der Direktor der Schule, an der er unterrichtet und seine Schüler. Hauptschauplätze die Praxis von Dr. Christ, das Klassenzimmer, das abendliche Heimkommen.

Es beginnt mit den Worten:

Dies ist ein Wohlfühlbuch. Es zeigt unseren Ursprung, den Ort wahren Glücks und unsere unsterbliche Zukunft.

Der Autor gibt an, er habe sich früher selbst ein Buch dieser Art gewünscht. Geschrieben habe er „mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge:

Das eine Auge lacht darüber, dass unsere Welt und wir zu absoluter Freude angelegt sind; das weinende Auge ist traurig, weil noch viele Kräfte verhindern wollen, dass dies erkannt und umgesetzt wird.

Am Anfang steht ein Entschluss. Die Hauptperson, Werner, sucht nach Rat. Es ist da dieses immerwährende Gefühl, dass etwas fehlte, die Angst, etwas wichtiges zu verpassen, das „mulmige Gefühl von Verlust und Unfähigkeit“, von Unrast, von Unzulänglichkeit, von Unerlöstheit. Und genau da läuft ihm ein Satz von Franz Kafka über den Weg:

Die dir zugemessene Zeit ist so kurz, dass du, wenn du eine Sekunde verlierst, schon dein ganzes Leben verlierst, denn es ist nicht länger, es ist immer nur so lang wie die Zeit, die du verlierst.

Er erkennt: Die gegenwärtige, gerade vorhandene Sekunde ist alles, was er hat. Der Rest: Gedächtnis und Erwartung. Er fühlt sich eingesperrt in dieser Sekunde, diesem „Sekundengefängnis.“

Seinen Therapeuten Dr. Christ findet er durch die Suchmaschine im Internet. Danach ist sein Leben ein anderes. Natürlich nicht auf einen Schlag, aber doch so nach und nach.

[…] Am nächsten Morgen geschah etwas Seltsames. Es war Werners erster Ausbruch aus den Gitterstäben des Alltags und es geschah ganz einfach. Es war vor der großen Pause. Normalerweise hätte er seine Schüler auf den Schulhof schicken müssen, denn man beließ sie nur im Klassenzimmer, wenn es regnete. Doch er hatte irgendwie keine Lust dazu, sie aus der Klasse zu scheuchen. Eine Pausenaufsicht wird sich schon darum kümmern, dachte er. Als er so die Klasse verließ, kam im der Direktor entgegen und bemerkte, dass die Schüler noch im Raum waren. Als er ihn darauf aufmerksam machte, sagte Werner einfach zu ihm: „Es regnet“, und ließ ihn stehen. Dabei war das Wetter prächtig und weit und breit kein Regen zu sehen. Werner ging einfach weiter und staunte über sich selbst. Er hatte diesen Satz ohne innere Bewegung gesagt. Ganz beiläufig nebenher, in aller Lockerheit. Er lächelte. Was gab es Unschuldigeres als zu sagen „Es regnet“, auch wenn breit und weit kein Regen da war? Und er spürte, als er dies sagte, war etwas in ihm entstanden, neu und spontan […]

Durch zahlreiche weitere Sitzungen und Dialoge mit Dr. Christ lernt Werner nach und nach die Schönheit seines Inneren kennen und entdeckt schließlich für sich, dass alles immer so, wie es gerade ist, gut ist. Dadurch verändert sich auch sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen: Der Umgang mit Eva wird inniger, mit den Schülern freier, und er wird unabhängig von den Ansichten seines Direktors und seiner Kollegen.

Er sah die anderen Lehrer an, die um ihn her korrigierten oder etwas lasen oder sich in kleinen Grüppchen unterhielten. Er spürte in sich etwas Neues, Schönes, Kraftvolles, das mit alledem nichts mehr zu tun hatte. Fast erschreckte ihn das. Aber hatte er es nicht gewollt? Hatte Dr. Christ es nicht gesagt? „Und wenn er gefunden hat, wird er verwirrt sein. Und wenn er verwirrt ist, wird er verwundert sein und über das Universum herrschen.“ Er war nun nicht mehr in der Gummizelle, die ihn einmal umgab. Er war an einem Ort der absoluten Herrschaft und Schönheit. Hier konnte ihn niemand greifen oder verfolgen. Er hatte Die Welt der Menschen in sich besiegt, wie Dr. Christ ihm prophezeit hatte. Warum? Weil er nun geschehen lassen konnte.

(Zum Logion 2 des Thomasevangeliums)

Naja, vielleicht zum Schluss ein kleines Manko: das Buch ist nun mal kein richtiger Roman, kein richtiges Sachbuch und auch keine richtige philosophische Abhandlung. Weil es irgendwie alles zugleich und zugleich nichts davon ist, kommt manchmal das eine oder andere zu kurz. Mein Eindruck.

Dennoch: Von mir absolute Leseempfehlung. Besonders für alle Fans des Thomas-Evangeliums und für alle, die interessiert, wie es sich anfühlen könnte, zu erwachen.

Hier bekommt ihr das Buch: https://dreiweltenverlag.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s