Steht das Zeitalter der Seele vor der Tür?

Gepostet von

Connecting with the subtle world and mastering it is the next collective step in our spiritual and human evolution.

Nikola Anandamali Ristic, Spirit X. Spirituality for the Global & Digital Age, 65

Viele sprechen heute in Anlehnung an integrale Theorien davon, dass wir uns in einem Wechsel von einem Zeitalter ins nächste befinden, weil sich der Schwerpunkt der Bewusstseinsebenen kollektiv nach oben verschiebt, bei manchen in das integrale GELB, bei vielen in das postmoderne GRÜN. Das ist sicherlich eine These, durch die sich vieles von dem, was momentan passiert, erklären lässt.

Dennoch greift es zu kurz. Denn wir stehen, zumindest im Westen, nicht nur vor einer Verschiebung des Schwerpunktes in den Bewusstseinsebenen, sondern vor einer Verschiebung des Schwerpunktes in den Zuständen von GROBSTOFFLICH zu SUBTIL.

Etwas ähnliches meinen vermutlich diejenigen, die von einem Aufstieg in eine 5. Dimension sprechen oder von dem Eintritt in das Wassermann-Zeitalter.

Unter der Überschrift „The Need for a Soul Culture“ geht Ken Wilber in „Religion of tomorrow“ davon aus, dass sich bei jedem Mensch der Schwerpunkt verlagern kann, von welchem Bewusstseinszustand aus er die Welt primär wahrnimmt. Derzeit dürfte das in unserer westlichen Kultur der gewöhnliche Wachzustand sein, verbunden mit einer Identifizierung mit unserem Ego (d.h. Glaubenssätzen über uns selbst).

Wir brauchen definitiv dringend (….} eine Seelenkultur. Jetzt! (Du bist einverstanden, oder?)

Ken Wilber, Religion of Tomorrow, 445, eigene Übersetzung

Verschiebt sich der Schwerpunkt Richtung Seele in den feinstofflichen Bereich der Träume wandelt sich die gesamte Wahrnehmung der Wirklichkeit:

Die Grenzen zwischen Innenwelt und Außenwelt beginnen sich aufzulösen, die Welt erscheint wir ein gigantischer, kollektiver Traum, überall sind Hinweise, Spiegel des Inneren, Chancen zur Heilung. Projektionen werden als solche erkannt, Synchronizitäten nehmen zu, die Arbeit mit den Träumen geht fließend in die Arbeit mit der Welt über. Nach und nach spüren wir immer intensiver unsere Energiekörper, die weit über unseren Körper hinausreichen. Wir haben das Gefühl, schon ewig zu leben oder aus der Ewigkeit zu stammen – eben, eine „unsterbliche Seele“ zu sein.

Bei einem Kolloquium des IFIS Freiburg zum Thema „Seele“ (danke Karsten für den Tipp!) wurde mir klar, dass wir derzeit erstmals kollektiv beginnen, zu erforschen, was es mit dieser Seele auf sich hat. Gemeinsam machten wir eine Seelenreise und tauschten uns anschließend über Erlebtes aus.

Bei einer Seelenreise wanderst du während der Meditation durch die Landschaften deiner Seele und achtest darauf, welche Gegenden, Wesen, Krafttiere, Symbole, Stimmungen, Elemente dir begegnen.

Im Anschluss stellte ich mir vor, wie anders sich die Menschen allein beim Einkaufen im Supermarkt verhalten würden, wenn jede/r regelmäßig solche Reisen unternähme. Wenn Menschen in Kontakt mit ihrer Seele wären. Und wir uns gegenseitig als Seelen wahrnehmen. Wenn wir alle offen über gefühlte Seelenverwandtschaften sprechen würden. Über Resonanz. Über die Elemente und Archetypen, die unsere innere Welt bestimmen: Den Ozean, die Höhle, den Vulkan, das Einhorn in unserem Inneren. Wenn wir gemeinsam unsere Träume zu deuten versuchten, als sei jeder Traum wichtig für unsere Gemeinschaft als solche.

Aber warum haben wir eigentlich noch keine Seelenkultur? Was steht dem entgegen?

Wilber stellt zweierlei Vermutungen an: Erstens sei der subtile Zustand schon mehrere Jahrzehnte (seit den sechziger Jahren oder länger) am Kommen, aber ihm werde aktiver Widerstand entgegengebracht, er werde unterdrückt, abgelehnt und ins Unterbewusste abgedrängt. Zweitens hätten sich die Technologie und die sozialen Medien zu einer Ersatzbefriedigung für die Seele und das höhere Selbst entwickelt.

Ich würde diese Aufzählung gern noch um zwei Dinge erweitern:

  1. Eine solche Verschiebung des Schwerpunktes würde unweigerlich zu einer Umwälzung des gesamten Systems, in dem wir derzeit leben, führen. Daran hat weder das System, das nach Selbsterhaltung strebt, noch die Personen, die von diesem System profitieren, Interesse. Auch das sind Bewegungen im Untergrund, die aktuellem Zeitgeschehen zugrunde liegen.
  2. Wir wissen aktuell noch viel zu wenig über das, was wir „Seele“ nennen. Die Bücher der Theologen, die es eigentlich wissen müssten, um „Seelsorger/in“ sein zu können, kommen bei der Frage ins Stottern und Schwafeln. Um in das Zeitalter der Seele einzutreten, ist es unerlässlich, dass mehr und mehr Menschen beginnen, diesen Raum des Seelischen durch ein In-Sich-Hinein-Horchen, Forschen und Spüren zu erkunden und sich darüber auszutauschen. Dann erst werden wir verstehen, wohin die Reise wirklich geht.

Wenn ihr euch noch gründlicher mit dem Thema befassen wollt, möchte ich folgendes Video ans Herz legen.

Titelfoto von Pixabay

Wie würdet ihr Seele definieren? Wie erlebt ihr euch als Seele?

4 Kommentare

  1. Der Weg der Seele

    „Wir wissen aktuell noch viel zu wenig über das, was wir „Seele“ nennen“.

    Zu diesem Thema fand ich eine Vorlesungsreihe von Jean Gebser, die er noch kurz vor seinem Tod an einer schweizerischen Hochschule hielt. Vielleicht kann das unser Verständnis von Seele zu einem Teil etwas erhellen.
    Ohne noch lange in dem Text nachzulesen berichte ich hier einfach, was nach mittlerweile dreimaligem Lesen hängengeblieben ist. Seele ist mit Bewusstsein verbunden und unterliegt damit auch einer Entwicklung.
    Was ist Seele, wie und woraus entstand sie? Auf Gebsers typische Art führt er uns akribisch etymologisch und historisch belegt zu für mich sehr neuen Erkenntnissen.
    Über Bewusstseinsentwicklung entlang der verschiedenen Farben interessieren hier besonders Beige – archaisch und Purpur – magisch/mythisch. In diesen Zuständen wird die Seele, noch nicht vom Weltengeist getrennt, im Menschen über Stufen verinnerlicht. Zuerst – zu Anfang – war der Ursprung der Geschichte, das noch im Archaischen ungetrennte und unbeobachtete Sein des Geistes. Im Erwachen des Menschen aus dem Urzustand bekommt er Geschehenes geschickt, wobei Geschehen/Geschichte und Geschickt aus derselben etymologischen Wurzel abgeleitet wird. Dies ist die erste erneute Verbindung des Numinosen, des „Ganz Anderen“, welches den erwachenden Menschen schaudern lässt. Man versteht es nicht, es berührt einen ganz tief, es ist das heilige Erschauern.
    Jetzt setzt „Erinnerung“ ein. Erinnerung bedeutet in diesem Fall das Verinnerlichen von etwas, was von außen kommt. Das „Ganz Andere“ wird erkannt, verinnerlicht, subjektiviert und gehört nun mit zum Menschen in seinem Bewusstsein. Die Seele als innermenschlicher Teil des Weltengeistes ist geboren.
    Der aus dem Archaischen erwachte Mensch lebt mit Geistern, hat eine magische Beziehung zu seiner Umwelt, die sich aus dem Erleben des Numinosen entwickelt hat. Er lernt zu bannen, ja schließlich sogar zu zaubern. Totem und Tabu. Seine noch junge Seele, geboren aus „Geschicktem“ und Er“Innertem“ hat einen Bezug zum Weltengeist entwickelt, hat sich sozusagen aus dem Ewigen Geist als Knospe herausgebildet.
    In der menschlichen Bewusstseinsentwicklung entstehen nun immer mehr Bilder, die aus dem Numinosen nach innen in die Seele geholt werden. Die griechische Mythologie kann als verinnerlichte Erscheinungen des Weltengeistes verstanden werden. Die Seele hat die Außenwelt mit Hilfe der Mythen ins Bewusstsein des Menschen getragen. Die Götterwelt stellt im Außen dar, welche Erkenntnisse im Innern in Bildern erzeugt werden. Ein Gewitter mit Donnergrollen wird im Thor oder Donar, in Zeus oder Odin als Bild erlebt, gebildet.
    Psyche ist die Göttin der Seele. So wird die Seele später im Wasser gesehen und gleichzeitig in der Luft. Zu Beginn der Stufen Rot und auch noch Blau, in der Epoche, da das menschliche Bewusstsein beginnt sich in den Gegensatz zum Weltengeist zu stellen, sieht die Mythologie die Todesseele und die Lebensseele.
    Das menschliche Bewusstsein wird nun mental, sprich Orange und Grün. Auch in dieser Zeit fällt immer wieder das Numinose in die materielle Welt. Aber der aufgeklärte Mensch findet immer neue Erklärungen und kann das geistig Geschaute, ihn immer noch Erschauernden in seiner verinnerlichten Seele aufnehmen.
    Gewitter mit Donnergrollen lässt sich nun physikalisch erklären, ist erkannt. Es braucht keinen Gott mehr, denn die Seele, das Innere, was uns mit dem Numinosen verbindet, ist autonom geworden.
    Wir meinten wir hätten den Weltengeist nun ganz verinnerlicht. Aber ab jetzt bedarf es nun wieder einer neuen Bewusstseinsstufe. Denn man muss heute konstatieren, dass vieles, sehr vieles, ja eigentlich alles nicht allein rational erklärt werden kann. Das Numinose bricht massiv in die Welt ein. Unsere nun gar nicht mehr „autarke“ Seele muss sich, will sie nicht zurück in magisch/mythische Zeiten, dem Neuen öffnen. Die Seele nähert sich wieder dem Weltengeist, sucht wieder Verbindung zum Ursprung, indem sie noch mehr vom Weltgeist in sich „verinnerlicht“.
    Wir leben also nicht nur in einem evolutionären Bewusstsein, auch die Seele als Teil dieser Evolution entwickelt sich weiter. Die Welt wird anders, umfassender, mehrdimensionaler, nähert sich immer mehr dem Numinosen, dem Ganz Anderen.
    Zum weiteren Verständnis spricht Gebser von den Künstlern.
    Diese bekommen vom Ursprung mehr geschickt als wir Normalen, sie „schöpfen“ direkt aus dem Numinosen und werden uns damit zum Vorbild / Vorreiter in neue Dimensionen.

    Mondnacht von Eichendorf, vertont von R. Schumann

    Es war, als hätt‘ der Himmel
    Die Erde still geküßt,
    Daß sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müßt‘.
    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.
    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

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  2. Ja, der Begriff ist nicht so klar, Seele, unsterbliche Seele, höheres Selbst…
    In der ind. Psychologie ist „Seele“ einfach die Kombination aus Ego + Selbst (Ahamkara+Atman).
    Das höhere Selbst an sich ist ja nichts ortsgebundenes, aber wenn es sich nach unten verbindet, sich ein eingrenzendes Ich darüberlegt, dann ist die Schablone so, dass diese Seele dann in der Brustmitte oder dem „spirituellen Herzen“ erfahren wird.

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