Die Werkzeuge des Bösen

Veröffentlicht von

10 Thesen

Fortsetzung der Betrachtung: „Das Böse aus integraler Sicht“

Die Realität wird aufgedeckt – Systeme des Bösen und der Ungerechtigkeit werden in größerer Klarheit gesehen, und unsere kollektives „Normal“ wurde radikal auf den Kopf gestellt. Durch dieses Chaos und diese Verzweiflung zu gehen kann schwierig sein, aber, am Ende, wenn alles verloren scheint, wird die spirituelle Reise zu einem Anker und einem Segel. Gott benutzt Tragödien, Leiden, Schmerz und sogar den Tod, um uns in größere Liebe zu führen.

Richard Rohr, https://cac.org/the-modern-disguise-of-evil-2021-05-17/, Übersetzung d. Vf.

1. Kult

Das Böse hat den Charakter von Götzendienst. Satanisten huldigen dem Bösen offen. Die meisten dienen ihm verdeckt oder gar völlig unbewusst.

Satanismus ist weiter verbreitet, als mancherlei gutgläubige Seele es sich vorstellen mag. Heute kann jeder sich leicht okkultes Wissen anlesen und schwarze oder weiße Magie praktizieren, wenn ihm danach ist. Ratgeber gibt es zuhauf, wenn deren Qualität wohl sehr unterschiedlich sein dürfte. Kauf dir Tierblut, zieh einen magischen Kreis um dich, ruf die Geister an und los gehts mit dem Vodoo-Ritual… Man schaue nur einmal bei Amazon (oder einem anderen Buchhändler) die Rezensionen an. „Die satanische Bibel“, das von Anton Szandor LaVey verfasstes Grundlagenwerk der „Church of Satan“ erfreut sich großer Beliebtheit. Die meisten Kommentare sind voller Liebe und Begeisterung, nur vereinzelt lesen sich Warnungen: „Wacht auf! Satanismus zerstört euer Leben!“ Ein Leser schreibt enthusiastisch: „Eine Waffe ohne FSK und Waffenschein frei verkäuflich!!!“

Der Satanismus ist eine vergleichsweise junge Strömung. Zunächst im 17. Jahrhundert in der Literatur nachweisbar, entwickelte er sich nach und nach zu einer eigenständigen Religion. Die „Church of Satan“ wurde 1966 gegründet, um eine ähnliche Zeit der “Orden der neun Winkel“, der Orden „In Nomine Satanas“ 1996. Im Hintergrund steht eine Fortführung gnostischer Strömungen, die von einem Kampf zwischen Satan und Gott ausgehen.

Tatsächlich äußern sich viele bekennenden Satanisten häufig dahingehend, dass das „alles ja nicht so schlimm sei“ oder „ganz anders“. Zwar stimmt es, dass „die satanische Bibel“ sich offiziell davon distanziert, dass Satanisten Menschen und Tiere opfern, Orgien feiern und Blut trinken. Aber was so vermeintlich harmlos rüberkommt, trägt absichtlich antichristliche Züge. Eine Grundlehre des modernen Satanismus ist, dass der Mensch Gott sei – mit „Gott“ ist dabei allerdings das „Ego“ gemeint, nicht das göttliche Selbst. Ein kleiner, aber bedeutsamer Unterschied, der einen Teil zur Erklärung des Bösen beitragen könnte: Die „Hybris“ oder „Selbstvergottung“ gilt vielen als die Ursünde überhaupt:

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Ex 20,3

2. Falschheit

Wenn [der Satan] lügt, so entspricht das seinem Wesen; denn er ist ein Lügner und alle Lüge stammt von ihm.

Jesus in Johannes 8,44

Das Böse gibt vor etwas zu sein, was es nicht ist. Es ist Schein, nicht Sein. Es gaukelt dir etwas vor und hält nicht, was es verspricht. Denn dieses „Ego“, das wissen Mystiker, gibt es in Wirklichkeit so gar nicht. Es ist ein Narrativ, ein Trugbild, eine Illusion. Das Klammern und Verteidigen dieses Bildes ist daher ein Einfallstor des Bösen. Als „Eigensinn“ hat es einer meiner Leser in seinem Kommentar bezeichnet.

Wo das moralisch Böse im Spiel ist, identifiziert sich der Handelnde voll und ganz mit dem Bild seiner selbst, also mit seinem Selbst, wie er es beschreibt, und er empfindet instinktiv das Urbedürfnis, im Sein zu bleiben [….], denn der Handelnde glaubt, dies sei das gesamte Sein, das er habe, und wenn er sich nicht darum kümmere, es zu unterhalten und zu pflegen, werde es eine Minderung erleiden […]. Die Menschen verüben das, was wir als böse bezeichnen, aus dem Grund, diese […] Verluste zu vermeiden.

Beatrice Bruteau, Radikaler Optimismus. Praktische Spiritualität in einer unsicheren Welt, Bielefeld 2007,100.

Macht sich ein Mensch jedoch auf den Weg, seine wahre Natur zu erfahren und zu erkennen, ruft das den Widerstand des Bösen auf den Plan. Kaum fühlst du dich untrennbar mit der Erde und deinen Mitmenschen verbunden, passiert irgendetwas, das dich mit 99,9 % Wahrscheinlichkeit aus der Ruhe treibt. Bist du weniger schnell aus der Ruhe zu bringen, nehmen die Herausforderungen des Alltags zu, wie bei einem Spiel mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

Die feindlichen Kräfte haben eine bestimmte, selbstgewählte Funktion: nämlich den Zustand des Individuums, der Arbeit, der Erde selbst und ihrer Bereitschaft für die spirituelle Herabkunft und Vollendung zu prüfen. Bei jedem Schritt der Reise treten sie auf, greifen wütend an, kritisieren, suggerieren, verursachen Verzweiflung oder stacheln Aufbegehren an, verursachen Unglauben, häufen Schwierigkeiten an. […] Ein kleiner, unbedeutender falscher Schritt oder Fehler, und sie erscheinen auf der Strasse und türmen einen ganzen Himalaya als Barriere auf. Aber dieser Widerstand wurde von alters her nicht nur als Prüfung oder Test zugelassen, sondern als Nötigung, eine grössere Kraft, eine vollkommenere Selbsterkenntnis, eine stärkere Reinheit und Kraft der Aspiration zu suchen, einen Glauben, den nichts vernichten kann, eine machtvollere Herabkunft der göttlichen Gnade. 

Aurobindo

3. Manipulation und Betrug

Das Böse wirkt durch eine Scheinwelt hindurch, die Matrix. Diese Scheinwelt ist Folge der Identifikation mit dem falschen „Ich“. Durch Filter bestimmt sie deine Wahrnehmung der Realität. Um die Kontrolle über dich zu erlangen, macht das Böse dir Angst, arbeitet mit Schuldgefühlen, Erpressung und Gewalt: „Wenn du das tust, dann passiert/bist du…“ Es lässt dich klein, ohnmächtig und ausgeliefert fühlen, oder aber stark, unbesiegbar und niemandem Rechenschaft schuldig – beides jedoch ist Selbstbetrug. Der Psychopath glaubt selber an das, was er redet, er lügt sich selbst etwas vor.

Du bist jedoch weder wertlos und klein, noch wertvoller und grandioser als andere – du bist einfach eine Tochter, eine Sohn Gottes, ein wundervolles, unglaublich schönes und einzigartiges Fraktal der allumfassenden Wirklichkeit. Je mehr du deinen Wert aus diesem göttlichen und ewigen Ursprung ableitest, desto weniger wirst du manipulierbar und resistenter gegenüber Ideologien und Massenpsychosen.

`Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel’ (Eph.6,12). Wem einmal – vielleicht gerade durch die Schrecken unserer Zeit – aufgegangen ist, was für finstere Kräfte unter dem so würdevollen Namen `Idee’ oder `Weltanschauung’ sich verborgen halten können, der hat seinen Kommentar zu jenem Pauluswort […].

Die „Mutter“, Gefährtin von Aurobindo, über die Zeit des Nationalsozialismus und Kommunismus

Im heutigen Informationszeitalter wird Krieg mit (Falsch-)Informationen geführt. Niemand weiß mehr wirklich, was an einer Meldung wahr und was falsch ist; es wird immer schwieriger, Meinungen von Fakten zu unterscheiden. Bei vielen wuchs seit der Corona-Krise das Bewusstsein für die Allgegenwart der Manipulation und Lüge. Der griechische Name für den Teufel, Diabolos, bedeutet wortwörtlich „der Durcheinanderwerfer“. Er verwirrt uns und stiftet Zerwürfnis und Spaltung. Relative Kleinigkeiten (z.B. ob jemand der oder jener Meinung zu einem Thema ist) führen derzeit dazu, dass Familien Mitglieder ausschließen oder Nachbarn sich über den Gartenzaun hinweg beschimpfen.

4. Zwei Gesichter

Das Böse ist janusköpfig. Wie Mr. Jekyll and Mr. Hyde kann die Person mit einer Persönlichkeitsspaltung in der einen Stunde ein völlig anderer Mensch sein als in der anderen. Ein Teil herzlich und mitfühlend, ein Teil emphatielos und kalt. Und diese Persönlichkeitsanteile können derart gespalten sein, dass die Person sich an nichts mehr erinnern kann, was sie getan hat, als sie die andere Person war. Häufig ist diese Spaltung Folge eines schweren frühkindlichen Traumas. Im Rahmen der rituellen Gewalt wird diese Störung, die sog. „Dissoziative Identitäts-Struktur/Identitäts-Störung“. bewusst in frühestem Kindesalter herbeigeführt. (https://www.infoportal-rg.de/meta/begriffserklaerungen/)

Bis zu einem gewissen Maß hat jeder von uns eine solche Spaltung oder „multiple Persönlichkeiten“. Wir wollen uns ein schönes Selbstbild aufrecht erhalten und alles, was uns daran nicht gefällt, verschieben wir in den Schatten.

5. Schatten

Das Böse fristet ein „Schatten“-Dasein, es wirkt durch ins Unbewusste verdrängte Anteile in uns, durch unsere blinden Flecken.

Der Teufel liebt es, sich zu verstecken. Wenn er einmal erkannt ist, dann ist sein Spiel häufig schon aus, dann hat er meist schon verloren. Aber solange er „inkognito“ wirken kann, ist er stark.

https://www.tagesimpuls.org/2017/06/hutet-euch-vor-den-falschen-propheten.html

In dem russischen Roman „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow spielt der Autor mit der Vorstellung, dass sich der Teufel und seine Gehilfen gerade da am wohlsten fühlen, weil dort niemand an sie glaubt – im kommunistischen Moskau.

Wer das Böse nicht wahrhaben will, fördert indirekt seinen Erfolg.

6. Besessenheit

Das Böse kann sich einer Person bemächtigen und sie besetzen. Dann handelt unter Umständen nicht mehr die Person selbst, sondern der Dämon handelt durch sie. Der integrale Philosoph Aurobindo und seine Gefährtin, die Mutter, eine Okkultisten, hielten beispielsweise Hitler für besessen, Stalin gar für einen inkarnierten Dämon. Bis heute vollziehen viele Kirchen Austreibungsrituale/Exorzismus, allerdings mal mehr, mal weniger professionell. Als Folge der Moderne wurden derlei Phänomene allein auf psychische Störungen zurückgeführt. Die Exorzismen, für die Jesus bekannt war, wurden damit rein metaphorisch verstanden. Heute sprechen Spirituelle gerne von „negativen Entitäten“ oder „Wesenheiten.“

7. Vampirismus

Das Buch „DAS BUCH NOCTEMERON: Vom Wesen des Vampirismus“ wurde von der Bundesprüfstelle als gefährlich eingestuft und darf erst ab 18 Jahren gelesen werden. Dr. Rainer Fromm, Politikwissenschaftler und Journalist, der sich lange mit Jugendkulturen/sekten/satanismus auseinandergesetzt hat, schrieb dazu ein Gutachten, aus dem hervorgeht, dass die Faszination für grausame Rituale mit Blut in einigen Kreisen sehr hoch ist.

(https://www.gwup.org/infos/themen/88-okkultismus/1857-toetung-sterben-und-gewalt)

Satanischen Orden wird immer wieder nachgesagt, dass sie bei Ritualen Blut trinken (ich vermag das zum Glück nicht zu beurteilen).

Das Böse saugt die Lebensenergie, denn es hat nur Bestand als Parasit des Guten, keine eigene Energiequelle. Wenn wir uns ausgelaugt, niedergedrückt, missbraucht und misshandelt, angezapft, ausgesaugt fühlen, hat es zugeschlagen.

Zu den „Energie-Vampiren“ gehören auch halberleuchtete Gurus, die sich als Diener des Lichtes ausgeben und im Austausch dafür von ihren Schülern Aufmerksamkeit, Liebe, Geld und allerlei Dienstleistungen empfangen.

In Wirklichkeit sind diese Leute nämlich falsche Apostel, Betrüger, die sich verstellen und auftreten, als wären sie Apostel von Christus! Das ist allerdings kein Wunder, denn der Satan selbst tarnt sich als Engel des Lichts.

Paulus im 2. Korintherbrief 11, 13f.

8. Banalität

Das Böse ist selten spektakulär, meist ist es systematisch bedingter Alltag und fällt daher gar nicht weiter auf. Die jüdische Philosophin Hannah Arendt schrieb über die „Banalität des Bösen“ und erklärte, wie scheinbar völlig normale, gewöhnliche Menschen zu Tätern werden können. Adolf Eichmann, den sie als Beispiel wählte, berief sich lediglich auf Befehle, Gesetze und Sachzwänge – „teuflisch-dämonische Tiefe“ Fehlanzeige. Das Problem war nicht, dass er willentlich böse handeln wollte oder ein schlechter Mensch sei, sondern wesentlich die Verantwortungsverschiebung, das Fehlen von Moralkompetenz und die Weigerung, selbstständig zu denken. Jemand, der sich im Zuge der Corona-Krise gründlich mit Hannah Arendt Gedanken auseinandergesetzt hat, ist Gunnar Kaiser (auf kaiser.tv und in seinem Buch „Der Kult. Über die Viralität des Bösen“, oder auch hier: https://www.youtube.com/watch?v=FgifqhL7u8g&t=186s)

9. Viralität

Das Böse verbreitet sich wie ein Virus. Es benutzt uns als Träger, um sich zu vermehren und ist äußerst ansteckend/infektiös. Das tut es in Form von Ideologien (Rassismus, Marxismus, Nationalsozialismus u.v.m.), verkehrten, absolut gesetzten, starren Überzeugungen oder einfach dem Drang, das als Böse erfahrene an den Nächstbesten weiterzureichen. Heute wird in der spirituellen Szene, im Anschluss an Paul Levy, vermehrt der indigene Begriff „Wetiko“ aufgegriffen. „Wetiko“ ist ein Virus, der kollektiv unseren Geist befallen hat und dazu führt, dass wir uns getrennt von unserer Umwelt fühlen und Massenpsychosen entwickeln.

Paul Levy. Healing the Mind-Virus That Plagues Our World

10. Flüchtigkeit

Das Böse ist relativ machtlos. Da es kein eigenes Sein hat, hat es keinen dauerhaften Bestand. Es ist wie ein Rausch, der irgendwann wieder vorbeigeht, wenn er bereits viel Zerstörung, angerichtet hat.

„Ich glaube, dass das Böse absolut real ist und […] im unschuldigen Boden unseres menschlichen Leides und Schmerzes Wurzeln schlagen kann und dies auch tut.“ [….] Doch „die große Ruhelosigkeit und Ablenkbarkeit des menschlichen Zustands [machen es] dem Dämonischen […] schwer, dauerhaft Wurzeln zu schlagen.“

Cynthia Bourgeault, 2021, 121

Wenn auch anfangs die Irrlehre blüht, lange hält Das nicht an; sie ist nicht innerlich schön, sie sieht nur schön aus. Eine Zeit lang steht sie in Blüte, dann wird sie erkannt, und aus ist’s damit. 

Johannes Chrysostomos (344-407),

Mit welcher These geht du in Resonanz? Mit welchen Thesen hättest du das Böse beschrieben? Schreib es gerne unten in die Kommentare.

In der nächsten und letzten Folge zum Thema werde ich der Frage nachgehen, wie wir als Christen am besten mit dem Bösen umgehen sollten.

Kommentar verfassen