Die Entwicklungstage „Integrales Christsein“ 2022

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Ein Erfahrungsbericht

August 2018

Ich sitze auf meinem Bett, während mein Kind im Nebenzimmer seinen Mittagsschlaf hält und kaufe eine Domain bei WordPress.com. Als Name wähle ich „Integrales Christsein“ – ohne groß nachzudenken, eher probeweise, weil ich nun mal irgendeinen Namen brauche, um mit dem Bloggen anzufangen. Außer mir selbst, dem Buch „Gott 9.0“ und einigen Online-Artikeln zu Ken Wilber kenne ich niemanden, der sich für das Thema interessiert. Gegen Jahresende wird Christian Schmill (https://schmillblog.wordpress.com/category/integrales-christentum/) mein erster Leser sein. (Danke dir!)

Juli 2022

Als ich auf dem Weg zu dem Stuhlkreis bin, mit dem die Tagung beginnt, sehe ich die Beschilderung der Veranstaltung: „Entwicklungstage Integrales Christsein…“ Es rührt mich: Ich bin nicht mehr allein, ich bin mitten in einer (zusammen)wachsenden Gemeinschaft. Wir sind zwischen ca. fünfundvierzig Personen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, darunter die Autor*innen von „Gott 9.0“. Dass das Treffen einen besonderen Charakter hat, ist nicht nur den wundervollen Persönlichkeiten geschuldet, die teilnehmen, sondern auch dem Flair des Hauses sowie der Planung und Moderation der Veranstaltung, die sich bewusst an integralen Gestaltungsprinzipien orientiert.

August 2022

Ich habe die Tage als ein großes Geschenk empfunden: Nicht nur, dass ich viele Personen, mit denen ich bisher nur telefoniert oder per Videokonferenz gesprochen und gebetet hatte, nun in „echt“ begegnen durfte. Sondern auch, weil ich mit euch genau die verrückten Dinge tun und besprechen konnte, mit denen ich mich lange Zeit allein gefühlt habe: Erfahrungen mit Energien, mit der geistigen Welt, mit meinem Körper, mit meinem Gottesbild usw. Und das mal auf eine leichte, humorvolle Weise, und mal ernst und emotional.

Der Donnerstagabend begann mit einem Vortrag von Marion Küstenmacher mit dem Titel „Ein Ausblick auf Integrales Christsein in 8.0 Türkis: Vom Christusfraktal zur fraktalen Selbstähnlichkeit der Religionen“. Wieder gelang es Marion durch ihre authentische und zugleich reflektierte Art einen Raum zu eröffnen, der die nächsten Tage immer wieder beschritten und ausgeweitet wurde: Der Begriff „Fraktal“ und „Selbstähnlichkeit“ war in aller Munde; immer mehr trauten sich, offen von eigenen, spirituellen Erlebnissen oder Emotionen zu sprechen.

Am Freitag lag der Schwerpunkt auf den verschiedenen Workshops, die von den Referent*innen angeboten wurden. Siegfried Essen bot Bewusstseinsstufen- und Ich-Selbst-Aufstellungen an, Marion Küstenmacher lud zur Reflexion von spirituellen Erfahrungen in der Kindheit ein (#gottinderkindheit – Biografiearbeit und Spiritualität), bei Prof. Gerhard Marcel Martin wurde das Thomasevangelium aus den vier Quadranten betrachtet und erlebbar gemacht, bei Tilmann Haberer stand die Liebe im Mittelpunkt und mit mir erkundeten wir unsere drei spirituellen Zentren Kopf-Herz-Bauch. Abends legte Siegfried Essen auf vielfach geäußerten Wunsch spontan Musik zum Tanzen auf.

Am Samstag wurde dann mit dem „Barcamp“ für jede*n die Möglichkeit eröffnet, ebenfalls Workshops anzubieten oder auch, sich unter dem Begriff „Open Space“ zu einer bestimmten Frage oder einem Thema mit anderen auszutauschen. Ein Tag also ohne festes Programm, voller Überraschungen und Potential.

Am Sonntag wurde schließlich gemeinsam eine Art „integrale Liturgie“ gefeiert – auch hier wieder mit viel Freiraum für die Teilnehmer, Einsichten und Eingebungen mit den anderen zu teilen.

Mein persönliches Highlight waren die Erfahrungen, die ich bei einer Aufstellung machte, die von Jörg Rohrbach (https://www.denkmanager.de/joerg-rohrbach/) angeleitet wurde (danke auch dir nochmals!). Es ging dabei darum, sich nacheinander in die verschiedenen Bewusstseinsstufen einzufühlen. Dadurch bot sich die Möglichkeit, sich bereits in die Stufen, die noch vor uns liegen, individuell wie kollektiv, probeweise einzufühlen: Türkis, Koralle, Violett usw. Es fällt mir schwer, zu beschreiben, was dabei innerlich in mir vorging. Es war, als nahm ich darin alles vorweg, was an Potential in meinem Leben (und dem unserer Gemeinschaft) noch enthalten ist – und das war einfach wundervoll. Ich durfte mein Traumleben bis zu meinem Tod durchschreiten und noch darüber hinaus in die Spähren des Himmels eindringen, wo schließlich Jesus aus dem Licht zu mir kam und mich umarmte, während mir die Freudentränen über die Wangen liefen…. Okay, das mag für den einen oder anderen kitschig klingen – aber was haben wir eigentlich alle so gegen Kitsch, außer dass wir ihn möglicherweise nicht mehr für möglich halten?

Erzählt doch mal eure „kitschigsten“ spirituellen Erfahrungen in den Kommentaren! Ich bin mir sicher, ihr hattet sie 😉

4 comments

  1. Spirituelle Erfahrung bei meiner Konfirmation:

    Zur Einsegnung sind wir jeweils zu dritt nach vorne in den Altarraum gekommen und haben uns auf ein Polster gekniet. Es war ein weitgehend bedeckter Morgen, aber gerade als wir drei dran waren, schien die Sonne durch eines der oberen Kirchenfenster wie ein Spotlight auf uns. Ich weiß überhaupt nicht, ob einer von den anderen es so wahrgenommen hat, aber ich dachte dabei im Wechsel: „Schöner Zufall!“ „Fast schon kitschig.“ und „Wow!“.

    Thomas Jakob

  2. Genau so ein Erlebnis hatte ich bei meiner Taufe. Es war während des Ostergottestdienstes und ein grauer Tag. Als ich, mit meiner kleinen Tochter auf dem Arm, am Taufbecken stand, brach plötzlich die Sonne durch die Wolkendecke, schien wie ein Scheinwerfer für mehrere Sekunden auf mich und die Kleine und verschwand nach der Taufe wieder. Das gab ein Gemurmel unter den Anwesenden.:-)

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